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Kolumne „Nine to Five“ : Und wann baust du dein Haus?

  • -Aktualisiert am

Nicht jedes Architektenhaus gehört einem Architekten. Bild: dpa

Smalltalk über den Beruf des Gesprächspartners ist beliebt – entblößt zuweilen aber rührend naive Vorstellungen über Stellenprofile. Hier einige kuriose Beispiele.

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          „Was machst du denn beruflich?“ ist ein gern genutztes Small-Talk-Thema, wenn sich Menschen zum ersten Mal begegnen. Es zeigt Interesse am Gegenüber, ohne zu persönlich zu werden. Zudem definieren sich, gerade in Akademikerkreisen, viele Menschen über ihren Beruf (Stichwort: Berufung). Anders als in der Plauderei übers Wetter, die als Synonym für eher hilflosen Small Talk gilt, verspricht die Frage nach der Arbeit ausgiebigeren Gesprächsstoff. Bei den sich daraus entwickelnden Gesprächen offenbaren sich aber nicht selten naive Annahmen über den Arbeitsalltag der anderen.

          So beschwert sich ein Architekt aus der Verwandtschaft über die regelmäßig wiederkehrende Frage, wann er sich sein eigenes Haus bauen werde. Der Mann schüttelt verwirrt den Kopf – er ist Baustellenleiter für einen großen Konzern, der Industriehallen auf die grüne Wiese stellt. Nach eigener Aussage hat er nur „einmal im Studium“ ein Einfamilienhaus entworfen. Nicht viel besser ergeht es der befreundeten Internistin, die gerne gefragt wird, wie oft sie am Tag zum ­De­fibrillator greife.

          „Die Leute schauen zu viel Netflix“, seufzt sie, die in einer großen Klinik als Stations­ärztin auf der Inneren arbeitet und vor allem Anamnesebögen ausfüllt, Laborbefunde auswertet oder Behandlungspläne ausarbeitet. Auch der Luft- und Raumfahrtingenieur aus dem Bekanntenkreis ist erstaunt, wenn ihn Leute fragen, ob er bei der NASA arbeite – beschäftigt er sich doch bei einem Gasturbinenbauer mit Strömungstechniken. „Ich kann verstehen, dass der erste Reflex an Raketen denken lässt, aber das ist ein weites Feld“, sagt er. Eine Kollegin, freie Journalistin in der Printbranche, muss immer schlucken, wenn Menschen ihr vorschlagen: „Schreib doch mal ein Buch!“ Denn sie weiß: Nur ein Bruchteil aller Manuskripte wird veröffentlicht und nur ein Bruchteil davon ein Bestseller. Schwierig – und bestimmt kein Thema für Small Talk.

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