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Kolumne „Nine to Five“ : Wie ist er so, der Ingenieur?

Ein Abbild der Comicfigur Daniel Düsentrieb Bild: dpa

Ingenieure genießen in Deutschland ein hohes Ansehen. Doch was machen die Vertreter dieses Prestigeberufs eigentlich den ganzen Tag? Die Kolumne „Nine to five“.

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          Es gibt viele Berufe, die ein gewisses Prestige mit sich bringen. Anwalt ist so einer, Arzt sowieso, Pilot wohl auch. Keine Berufsbezeichnung aber wird in Deutschland, dem Land der Tüftler und schnellen Autos, der zuverlässig ratternden Maschinen und des stolzen Gütesiegels „Made in Germany“ so hochgehalten wie der Ingenieur. Gleichzeitig ranken sich zahlreiche Mythen um den Berufsstand – nicht immer sind sie schmeichelhaft, Stichwort „Nerd im Karohemd“. Wer ist er also, dieser Ingenieur, bewundert und belächelt zugleich?

          Wikipedia liefert eine erste Spur: „Ingenieur ist die Berufs- bzw. Standesbezeichnung für Fachleute auf dem Gebiet der Technik.“ Aha! Mit Technik muss er (oder sie) sich also auskennen, das klingt ja schon mal plausibel. Von Eigenbrötler steht da nichts. Vielmehr wird weiter unten im Eintrag das Ingenieurslied, geschrieben im Jahr 1871 von dem deutschen Ingenieur und Schriftsteller Heinrich Seidel, zitiert, dessen erste Strophe da lautet: „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ – oder wie Daniel Düsentrieb es sagen würde: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.“ Hartnäckig ist er also auch, unser Ingenieur, wir kommen der Sache näher. Eine kurze Suchmaschinen-Recherche führt zu einem weiteren Hinweis: „Als Ingenieur winkt ein fettes Gehalt“ – aber ist das nun Mythos oder Wahrheit? Das lassen wir mal so stehen, über Geld spricht man ja bekanntlich nicht. Nur so viel: Je nach Berechnung ist es nicht immer der Arzt, der die Liste der Spitzenverdiener in Deutschland anführt. 

          Ein Blick ins Wörterbuch offenbart schließlich, dass das Wort Ingenieur vom lateinischen Begriff ingenium abstammt, was so viel heißt wie „sinnreiche Erfindung“ oder „Scharfsinn“. Das wird ja immer besser, wer will schließlich nicht schon im Titel schwarz auf weiß stehen haben, dass er brillant ist? Aufschluss darüber, was ein Ingenieur so alles erfindet, liefert aber auch diese Spur auf etymologischen Pfaden nicht.

          Eine Liste der ingenieurswissenschaftlichen Fachrichtungen (wieder Wikipedia) bringt dann den Durchbruch: Sie zählt 115 Einträge, was für ausgesprochen breite Einsatzmöglichkeiten des Ingenieurs von A wie Abfallwirtschaft bis W wie Wildbachverbauung spricht. Eine davon ist übrigens auch das Brauwesen – also haben wir dem Ingenieur nicht nur solch geistreiche Erfindungen wie den Goldfisch-Walker und die Unterhose mit Luftfilter zu verdanken (ja, das gibt es wirklich), sondern auch das geliebte Feierabendbier. Prost!

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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