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Kolumne „Nine To Five“ : Hey, Alter

Was Schüler denken: Junge Besuchergruppe im Bundestag. Bild: dpa

Schüler finden 40-Jährige schon sehr alt, 50-Jährige scheintot und die 60-Jährigen könnten quasi schon mal anrücken zum Probeliegen auf dem Gottesacker. Doch die Arbeitswelt sieht anders aus.

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          Die Schüler der Besuchergruppe reden über eine Unternehmerin, die sie beeindruckt hat. Die sei schon älter, mache aber einen coolen Job. Wie alt genau diese Frau ist? Der Oberstufenkurs ist erst uneins, einigt sich dann: „Das war eine Ältere, mindestens um die 30.“ Aha. Dann sind 40-Jährige schon sehr alt, 50-Jährige scheintot, und die 60-Jährigen könnten quasi schon mal anrücken zum Probeliegen auf dem Gottesacker. Nächste Begegnung: Der Schülerpraktikant will nicht gesiezt werden. Auch nicht Tim und Sie, sondern bitte nur Du. Umgekehrt möchte er die anderen nicht duzen, das käme ihm komisch vor. Recht hat er, das hätte uns in seinem Alter auch nicht behagt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Behaglich ist das Thema rund ums Alter ohnehin nicht. Schon peinlich, mit den jungen Kollegen die Mittagspause in einer angesagten Suppenbar zu verbringen und als Einziger am zusammengehämmerten, wahrscheinlich sagenhaft teuren Plankentisch gesiezt zu werden. Das fällt auch den anderen Hoody-Trägern auf, einer klopft dem älteren Kollegen versöhnlich auf die Schulter: „Mensch, man ist so alt, wie man sich fühlt!“

          Das ist ja gerade das Problem. Wenn er ehrlich ist, fühlt er sich zu alt für die Suppenküchensause und die stylishen Bänke ohne Rückenlehne und das hippe Großstadtvolkgetue. Die anderen in der Runde staunen und beschließen spontan, rotierend zu bestimmen, wo es mittags hingeht. Gutbürgerlich ist nix für den 48 Jahre alten Senior. Ihn zieht es zum Asien-Allrounder, wohl wissend, dass dort alle höflich gesiezt werden. Eine Kollegin schlägt ein angesagtes Café vor.

          Dem Ältesten schmeckt es, er wundert sich nur über die sorgsam zusammengetragene Plüschbudendeko mit Tastenschreibmaschine und Spitzenborten am Regal. Die Oma-Ästhetik hat er seit Studientagen hinter sich und findet sie wahnsinnig spießig. Ist das euer Ernst? Die jungen Kollegen, die Eichenschrankwände nur als ironisches Zitat kennen, wissen nicht so recht, was er meint. Man altert halt mit sich selbst. Die Mittagspause als Crashkurs in Diversity. Lecker und lehrreich.

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