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Nine to Five : Dschungel statt Paragraphen

Grau statt grün: Schottergärten sieht man derzeit öfters. Bild: dpa

Von der heimischen Vorgartengestaltung auf den Beruf schließen? Da müsste ein Gartenbauingenieur ja blühende Landschaften vor dem Haus haben. Wenn es nur so einfach wäre.

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          Sage mir, wie dein Garten aussieht, und ich sage dir, welchen Beruf du ausübst. Ein Streifzug durchs gutbürgerliche Wohnviertel illustriert aufs ersprießlichste das, was berufliche Prägung meint. So wie das Ehepaar, das gärtnert wie im Prospekt des Baumarktkatalogs: Kirschlorbeerhecke umschließt Rollrasenquadrate, dazu Hortensien im Kübel. Das Paar ist gutsituiert, blendend strukturiert und verdient sein Geld in der IT-Branche. In Nachbars Garten tanzen neben Tausendschön die Löwenmäulchen aus der Reihe, es gibt Insektenhotels, kein erkennbares Konzept, aber erfrischende Kraut-und-Rüben-Anarchie. Eine Wohltat zwischen all der Koniferen-Friedhofssterilität. Hier gärtnern bestimmt bienenfleißige Sozialpädagogen oder Lehrer?! Weit gefehlt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Er macht etwas Kaufmännisches, sie ist Anwältin und auskunftsfreudig – „ich muss mich den ganzen Tag mit Paragraphen und Vorschriften auseinandersetzen, in der Freizeit brauche ich einen anderen Dschungel und pflanze nur, was duftet und uns spontan gefällt“. Überhaupt nicht gefällt das dem ehemaligen Unternehmer gegenüber. Der ist von Beruf neureich und protzt mit seinem Garten, der gar kein Garten ist, sondern ein möbliertes Wohnareal ohne Dach: anthrazitfarbene Sitzlandschaften, luxuriöse Grillstation – wohl wenig genutzt, zu oft hält dort der Pizzadienst –, Wasserspiele und viel Schotter. Wörtlich genommen, denn große Flächen sind mit Kies und Schotter bedeckt.

          Wenig weiter fällt noch ein Garten auf: quadratisch, praktisch, Rasenrondell inmitten von Immergrün, dazu ein Weidenkätzchenbaum. Geschmackvoll, von erlesener Schlichtheit. Hier wohnt zur allgemeinen Enttäuschung ein Gartenbauingenieur. Da wollte man sich inspirieren lassen und dann so was. „Meine Kunden erwarten immer neue Ideen, privat habe ich keine Nerven mehr für blühende Landschaften“ lautet seine Standardantwort. Sterneköche würden es in der heimischen Küchenzeile ebenso beim Spiegelei belassen. Beruferaten zwischen Radieschen und Ranukeln kann dann am Ende doch völlig in die Irre führen.

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