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„Nine to five“-Kolumne : Ballern statt Kegeln

Lasertag als Firmenevent? Warum nicht. Bild: dpa

Ein Betriebsausflug zum Lasertag, statt auf die Kegelbahn oder die Loreley, spaltet die Belegschaft. Aber völlig anders als gedacht.

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          Tom verliert die Nerven und blafft: „So tantig wie ihr kann ich gar nicht mehr werden. Euch Kaffeetanten wäre wohl ein Ausflugsdampfer an der Loreley vorbei am liebsten. Und anschließend zur Kegelbahn. Nee, nicht mit uns!“ Mit „Kaffeetanten“ sind die beiden konservativ wirkenden Anwältinnen gemeint, die sich nicht für das Ziel des Betriebsausflugs der Kanzlei erwärmen können. Tom und die anderen toughen Testosteronjünger zieht es zum Lasertag. Es wird abgestimmt, die Kuchenfraktion zieht den Kürzeren. Von oben herab betont der ehrgeizige Anwalt: „Ich stelle anheim teilzunehmen.“ Das unsportliche Damenduo denkt gar nicht daran, zu kneifen. Denen zeigen wir es!

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Heimlich trainieren die zwei. Statt sich krank zu melden, sind sie pünktlich im Kellerstudio. Demonstrativ gelangweilt nehmen sie im sogenannten „Instruction Room“ an der Einführung teil und zurren ihre Westen fest. Dort sind Lichtpunkte markiert, auf die mit einer Laserwaffe, dem Phaser, gezielt wird. Je mehr Punkte abgeknallt werden, umso besser. Angriff ist die beste Verteidigung. Und wie die zwei angreifen. Sie hetzen die Männer durch die düsteren Gänge. Tom ist Hören und Sehen vergangen. Unfassbar, die unterdrückten Biedermäuse sind zu aggressiven Ballerfrauen mutiert und ziehen ihn und die perplexen und einige Schrecksekunden zu lange handlungsunfähigen Kumpel ab. „Lara 1“, so nennt sich die erste Dame, aktiviert Schnellfeuer. „Lara 2“, wie sich der zweite Teil des furiosen Duos nennt, knallt, hetzt und haut Drohungen heraus, von denen „Ich mach dich kalt!“ noch eine der harmlosen ist.

          Eine Mordsgaudi, finden sie hinterher beim Drink im Foyer, das mit Spinnenbeintischen auf Geisterbahn getrimmt ist. Es gibt noch einen, der in dem Augenblick, in dem er seine Weste angezogen hat, seine bürgerliche Haltung und die Kriegspielbedenken abgelegt hat: Noah ist ein äußerst friedfertiger Kollege und erklärter Pazifist, der Killerspiele grundsätzlich ablehnt. Aber auch er wollte kein Spielverderber sein. Ihn schießwütig zu nennen ist kolossal untertrieben, er ballert auf alles, was bei drei nicht hinter der Pappmauer hockt. Lasertag spaltet die Belegschaft. Aber völlig anders als gedacht.

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