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Kolumne „Nine to five“ : Ich häng schon mal die Bilder ab

  • -Aktualisiert am

Was tun, wenn der Chef mitliest? Die Kommunikation im Büro bleibt für den Arbeitgeber nicht geheim. Bild: dpa

Der Abschied vom festen Arbeitsplatz - er ist ganz nah! Überall ist von Veränderung, Auflösung, Disruption die Rede. Wenn es denn so einfach wäre!

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          Fühlt sich gerade gar nicht so übel an im eigenen Büro. Ist zwar klein, aber vertraut, und das ist schon was wert. Aber vielleicht liegt’s auch an der Jahreszeit so kurz vor Weihnachten: Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist und es früh dunkel wird, kommen einem die eigenen vier Arbeitswände womöglich heimeliger vor, als sie sind. Wer weiß. Allerdings ist gerade nicht die Zeit für Sentimentalitäten am festen Arbeitsplatz. Denn überall ist von Veränderung, Auflösung, Disruption die Rede.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es geht um den Abschied vom festen Arbeitsplatz, um wechselnde Umgebungen oder die Segnungen des Home Office. Schließlich verändert die Digitalisierung auch die Arbeitswelt, schafft es der „Coworking space“ in den allgemeinen Sprachgebrauch oder steht die „Remote Work“ in den Startlöchern. Das ist, wenn alle von zu Hause aus arbeiten und der Arbeitgeber fernsteuert. Jungunternehmer aus Berlin haben auf einer Konferenz gerade darüber berichtet – und wie sie Dutzende Beschäftige von zu Hause aus arbeiten lassen, komplett miteinander vernetzt natürlich.

          Die entscheidende Frage an den Homo Officium unserer Tage lautet: Wer braucht schon mehr als Stuhl, Tisch, Smartphone oder Tablet zum Arbeiten? Womöglich sogar Kollegen um sich herum, deren Namen und Eigenschaften einem sofort einfallen, weil man sie so regelmäßig sieht? Da soll noch einer den Finger heben und mutig, aber altmodisch sagen: Ich!

          Eingespielte Wege, vertraute Zimmernachbarn

          Dabei gibt es einiges zu verteidigen an konventionellen, also immergleichen Büros: eingespielte Wege etwa, der Ausblick aus dem Fenster, vertraute Tisch- oder Zimmernachbarn, Bilder der Kinder an den Wänden, Erinnerungen. Das alles kann man unmöglich immer wieder einpacken, um zur nächsten Übergangsarbeitsstätte weiterzuziehen – auch wenn die noch so lässig ist und allerlei Wohlfühl-Schnickschnack bietet.

          Oder ist das schon die Verklärung eines Arbeitsplatzmodells von gestern? Wo doch Fachleute für die Digitalisierung der Arbeitswelt versichern, dass Arbeit ganz neu organisiert werden kann und nicht mehr an Zeiten oder Orte gebunden ist. Und schon gar nicht an Büros oder Schreibtische, an die man sich mit den Jahren gewöhnt hat. Es hilft vermutlich alles nichts, den Fortschritt hält keiner auf. Der neue Arbeitsplatz wird kommen, mobiler, digitaler, moderner. Ich häng schon mal die Bilder ab.

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