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Leben ohne Handy : Frau B. schaltet ab

  • -Aktualisiert am

Erreichbarkeit ist wichtig - das weiß auch Annegret Kramp-Karrenbauer. Bild: dpa

Kein Zugriff auf den Outlook-Kalender oder die Bahn-App und nicht einmal die Verabredung kann man schnell informieren. Doch ohne Handy ist längst nicht alles schlecht. Die Kolumne „Nine to five“.

          2 Min.

          Skifahren ist ein riskanter Sport. Wenn im Betrieb von Frau B. nach den Skiferien die Urlauber an die Schreibtische zurückkehrten, war von allerlei „Bruch“ die Rede. Herr H. hatte 2017 einen Schienbeinbruch erlitten, Frau K. 2018 einen Handgelenksbruch und Herr W. 2019 einen Skibruch. Er war mit seinen neuen Langlaufskiern in einer Kuhle gestürzt, und eines der Bretter war in zwei Teile zerbrochen; teuer, aber immerhin schmerzfrei.

          Frau B. hingegen konnte in diesem Jahr mit einer ganz neuen Geschichte aufwarten: Sie kam mit einem Handybruch aus dem Skiurlaub zurück. Das Smartphone war ihr am letzten Urlaubstag aus der Tasche ihrer Skijacke geglitten, und dann war wer weiß wer oder was drübergefahren. So wie der Schaden aussah, wohl mindestens die Pistenraupe. Ausgerechnet ihr passierte das! Dabei war ihre Affinität zu Digitalgeräten durchaus bekannt – manche Kollegen munkelten sogar etwas von Handy-Sucht.

          Was bloß tun im Zug?

          Frau B. war also für ein paar Tage zwangsabgeschaltet. Zunächst war sie der Meinung, sie könne so unmöglich arbeiten. Wie, bitte schön, sollte sie ins Büro fahren, wenn sie nicht auf Bahn.de nachsehen konnte, ob der Zug kam? Allein der Weg zum Bahnhof gestaltete sich schwierig; üblicherweise bestritt sie ihn mit einem Leihfahrrad. Das aber war ohne App nicht zu haben. Unterwegs die Termine des Tages recherchieren? Keine Chance ohne den mobilen Outlook-Kalender! Überhaupt: Zwar hatte sie noch vage auf dem Schirm, dass sie sich mit dem Vertriebsleiter der Firma Sowieso zum Frühstück verabredet hatte – aber wie sollte sie den Smalltalk überleben, wenn sie den Herrn nicht vorher googeln konnte?

          Seufzend machte sich Frau B. schließlich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof, der Himmel war blau, die Luft roch nach Frühling. Der Anzeigetafel entnahm sie, dass ihr Zug etwas Verspätung hatte. Sie ging in den Kiosk und kaufte sich eine gedruckte Zeitung (normalerweise hätte sie jetzt hektisch alternative Zugverbindungen recherchiert). Gern wollte sie ihre Frühstücks-Verabredung darüber informieren, dass sie zu spät kommen würde. Ging heute nicht!

          Die Zugfahrt war fast langweilig. Keine E-Mails, keine Podcasts, kein Twitter. Stattdessen sah sie abwechselnd in ihre Zeitung und aus dem Fenster. Beim Termin angekommen, nahm ihr der Geschäftspartner die Verspätung gar nicht übel. Mit einem Plausch über die Bahn und das kaputte Telefon verging die Smalltalk-Phase wie im Flug. Am Ende schloss Frau B. ein glänzendes Geschäft ab. Erst als sie am Abend ihren Freunden davon erzählen wollte, vermisste sie noch einmal kurz ihr Handy. Dann griff sie zum Festnetztelefon.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschulalltags.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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