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Kolumne „Nine to five“ : Schleimspuren gegen Fett

Morgens, mittags, abends: Ein bisschen Schleim gefällig? Bild: Slesiona, Patrick

Den ganzen Vormittag nur pürierten Rucola trinken, in der Kantine Salat bestellen, dann aber den Kollegen die Pommes vom Teller klauen: Liebe Kollegin, das geht gar nicht!

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          Eisern sitzt die Kollegin in der Kantine vor dem zähflüssigen Getränk, dessen Farbe schleimgrün zu nennen noch geschmeichelt wäre. Vertilgen die anderen Lasagne, nippt sie am Becher mit dem Gebräu, das an eine Mischung aus Froschlaich und Brackwasser erinnert. Ab und an tupft sie sich eine Schleimspur von den Lippen. „Das ist ein Smoothie“, klärt sie die Currywurstgemeinde auf.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Mitleidige Blicke lächelt sie weg, wenn sie doziert, welche pürierten Blätter und Kräuter heute in der Brühe dümpeln: „Damit hält man den Alterungsprozess auf.“ - „Pah, die hungert sich in Größe 34“, tratscht ihre eher rund gedachte Kollegin. An guten Smoothie-Tagen packt die Ernährungsbewusste ein süffiges, rotes Getränk aus: Das schillert in Beerentönen, sieht appetitlich aus und riecht erträglich.

          Vor den Smoothies zelebrierte die Disziplinierte Rohkost pur, es gab eine recht unfrohe Esszeit ohne Kohlehydrate, davor lagen die Frischkornbreiwochen. Die Phasen werden jeweils von umständlich gehaltenen Vorträgen begleitet, in denen es von Wörtern wie Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit und Hautregenerationsenzyme nur so wimmelt.

          Verstehe einer die Essneurosen der Kollegen

          Das steckt manchen an, der sich die Sahnesoße zur Pasta verkneift und zum Salat mit Putenbrust greift, dem Standardgericht aller Abspeckwilligen. Aber zum pürierten Rucola kann keiner seinen unwilligen Körper überreden. Ungerührt davon und gänzlich unmissionierbar gönnen sich die meisten ihre Portion Pommes. Dick werden sie davon nicht. Denn die Fettstäbchen haben sie nicht für sich allein: Kaum sitzt die Salatfraktion am Kantinentisch, fährt sie gierig ihre Gabeln, oft nur die Finger aus und stibitzt Fritten.

          Bei zwei, drei bleibt es selten. Irgendwann reicht es einem Beklauten, er ordert einen Extrateller Pommes, dazu eine stattliche Zahl Plastiktütchen Rot-Weiß und schiebt Beides den Figurbewussten hin: „Das kann man ja nicht mit ansehen!“ Verstehe einer die Essneurosen der Kollegen.

          So wie jene Kolleginnen, die morgens waffenscheinpflichtige Hosen anziehen, in die sie nur mit dem Schuhlöffel gelangen, mittags konsequent Blattsalat ohne Dressing zu sich nehmen, den mit Mineralwasser ohne Kohlensäure herunterspülen, um nachmittags zu kapitulieren und den Schokoautomaten mit Münzen füttern, um karamellselig abzuziehen. Unterzuckert arbeitet es sich eben schlecht.

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