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Kolumne „Nine to five“ : Wer ist hier der Boss?

  • -Aktualisiert am

Hoodies trugen einst nur die Netzwerkadministratoren. Heute trägt sie jeder – bis hin zu den Chefs. Bild: Edgar Schoepal

Wenn der Chef T-Shirt oder Hoodie trägt und die Kundenberaterin Leggings, dann ist es gar nicht so leicht zu erkennen, wer eigentlich im Unternehmen das Sagen hat. Einen kleinen Trick gibt’s trotzdem.

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          Der deutsche Designer Karl Lagerfeld hat einmal gesagt: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Sollte das stimmen, müsste es eigentlich schlecht um die kalifornische Tech-Branche bestellt sein. Dort bevorzugen viele der führenden Köpfe legere Kleidung. Legendär beispielsweise das Foto des Kleiderschranks von Facebook-Gründer Marc Zuckerberg, in dem auf einer Stange Unmengen identischer grauer T-Shirts in Reih und Glied hängen.

          Falls ihm kalt ist, streift er wiederum gerne einen als „Hoodie“ bekannten Kapuzenpullover in dunklen Farbtönen über – vielleicht eine Hommage an den verstorbenen Steve Jobs, der die gottesdienstähnlichen Apple-Keynotes grundsätzlich in einem schwarzen Rollkragenpullover absolvierte.

          Von Jobs ist auch überliefert, dass er gerne in ziemlich ramponierten Latschen einer deutschen Gesundheitsmarke zur Arbeit erschien (ein Paar davon erzielte im Übrigen bei einer Auktion mehr als 2700 Dollar). Da mutet es direkt staatsmännisch an, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche beim Treffen mit Uber-Chef Travis Kalanick im Sommer 2016 in Berlin immerhin Turnschuhe trug – zu Jeans und offenem Kragen, wohlgemerkt.

          Kreditvergabe – demnächst in Leggings?

          Wenigstens gab er sich noch etwas zugeknöpfter als Kai Diekmann, der die Podiumsdiskussion mit den beiden Mobilitätsbossen moderierte und noch tiefer blicken ließ. Immerhin trug der frühere „Bild“-Herausgeber mal wieder Hemd und Jackett, nachdem er davor nach seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley in Hoodie und mit einem imposanten Hipster-Bart aufwartete.

          Übrigens machen es sich nicht nur die Männer bequem. Vor allem New Yorker Damen frönen derzeit dem „Athleisure“-Trend und tragen alltagstaugliche Sportkleidung gerne auch im Büro – wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis selbst Kundenbetreuerinnen deutscher Sparkassen in Leggings einen Kredit vergeben.

          Aber warum auch nicht? Unser Leben wird immer schneller und komplexer, die Übergänge zwischen Arbeit und Privatleben fließender. Da scheint es nur natürlich, dass auch High Performer es gerne mal etwas lockerer um die Hüften haben. In nicht allzu ferner Zukunft wird es also nicht mehr so leicht sein, den Chef eines Unternehmens zweifelsfrei zu identifizieren. Der Mann in Kapuzenpulli und Baggy-Pants muss nicht mehr zwangsläufig der Netzwerk-Manager sein.

          Vielleicht hilft dann nur noch ein verstohlener Blick auf das Etikett – denn selbst Karl Lagerfeld hat mittlerweile für Chanel Jogginganzüge entworfen.

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