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Kolumne „Nine to five“ : Verbotene Geschenke

  • -Aktualisiert am

Ein kleines Geschenk in Ehren? Kann man doch verwehren! Bild: Fabian Fiechter

Die Flasche Wein vom Geschäftspartner, das Präsent zum Jubiläum - viele Beschäftigte sind verwirrt, was sie eigentlich annehmen dürfen und was schon als Bestechung gilt. Verwirrende Fragen stellen sich aber auch den Schenkenden.

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          Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es. Das gilt auch im Berufsleben. Doch das Thema birgt Gefahren für ahnungslose Arbeitnehmer. So kann Beschenkten die Freude an einem Präsent schnell vergehen und in der Magengegend mag sich ein diffuses Gefühl der Sorge breitmachen. Denn in Zeiten allgegenwärtiger Compliance-Regeln fragt sich jeder, vom Boss bis zum Buchhalter: Darf ich das überhaupt annehmen?

          Die Grenzen zwischen schlichter Anerkennung und gezielter Bestechung sind nämlich fließend, wie mittlerweile nicht nur jeder VW-Betriebsrat, Siemens-Manager oder Fifa-Funktionär weiß. Ist eine Flasche vorzüglichen spanischen Rotweins des Geschäftspartners zum Geburtstag ein Dankeschön für die bislang gute Zusammenarbeit – oder doch eine kleine Entscheidungshilfe bei der Frage, ob der nächste Auftrag wieder an dessen Firma geht, obwohl die Konkurrenz wesentlich günstiger liefern würde? Wohl dem, der Beamter oder Angestellter des Bundes ist. Denn für diese Gruppe gilt null Toleranz: Den Rioja muss der potentielle Spender daher selbst trinken.

          Reicht zum Jubiläum Sekt oder muss es Champagner sein?

          Das hat auch auf die Privatwirtschaft abgefärbt. Denn der Gesetzgeber stellt Bestechung, Korruption oder Vorteilsnahme klar unter Strafe. Viele Unternehmen gehen deshalb gar kein Risiko mehr ein und verbieten ihrer Belegschaft schlicht, Zuwendungen anzunehmen – auch auf die Gefahr hin, dass die Schwiegereltern von Müller aus dem Einkauf an Weihnachten diesmal lange Gesichter machen werden. Denn statt des edlen Spaniers wird der passionierte Biertrinker künftig doch wieder die rumänische Mädchentraube aus dem Discounter ausschenken.

          Noch stärkere Kopfschmerzen dürfte das Thema Schenken jedoch bei Mitarbeitern auslösen, sobald sie auf der anderen Seite des Präsentkorbs stehen. Denn auch dann muss ein wahnwitziges Regelwerk beachtet werden. Reicht zum Jubiläum Sekt oder muss es doch Champagner sein? Soll das Geschenk auch der Gattin gefallen? Genügt ein Gutschein für den Standard-Italiener oder muss es persönlicher sein? Schenkt jede Abteilung für sich oder alle zusammen?

          Das ärmste Schwein ist allerdings der Organisator des Geschenks, muss er doch noch auf Wochen, wenn nicht gar Monate hinaus wie ein Bittsteller säumige Kollegen zur Zahlung ihres Beitrags mahnen. Die Compliance-Abteilungen sollten endlich auch hier eingreifen – und Geschenke aller Art verbieten. Dem Firmenfrieden wäre es nur förderlich.

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