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Kolumne „Nine to Five“ : Hilfreiche Technik-Pannen

  • -Aktualisiert am

Im Homeschooling lernt man auch, technische Probelem zu inszenieren. Bild: dpa

Kleine Menschen haben große Probleme mit dem fordernden Homeschooling. Pfiffige Schüler lösen sie mit Hilfe der Technik. Gerade dann, wenn die angeblich nicht funktioniert.

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          Keine Lust, vor dem Rest der Kachel-Klasse auszurechnen, wie steil das Spitzdach des Kölner Doms ist? Nebel durchwabert des Schülers Hirn?  – Seit Corona ist das während der Homeschooling-Phasen kein Problem mehr. „Ich verstehe Sie gerade ganz schlecht“, spricht das Kind und hat nichts weiter zur Lösung beizutragen. Keinen blassen Schimmer, was ein Hexameter ist? Die Schülerantwort 2.0 erfolgt schriftlich: „Mikro funktioniert nicht.“ Dazu ein Youtube-Störgeräusch einblenden, mit den Schultern zucken, diese fragend hochziehen, verzweifelt gestikulieren, bedauernd gucken, aber es mit den enttäuschten Bekundungen nicht übertreiben – so lauten die gängigen Schülertipps für Unterricht per Videokonferenz.

          Denn der unterdurchschnittlichen Deutschschülerin kauft kein Lehrer ab, dass sie todtraurig ist, die Duineser Elegien nicht deuten zu dürfen. Dem schwächelnden Physikschüler glaubt niemand, dass er jetzt zu gern seine zündende These zum Stromkreislauf referieren würde.

          Sich abzuschalten, falls die Leistung schwächelt oder einfach Unlust herrscht, das haben sich die jungen von den nicht mehr ganz so jungen Menschen abgeschaut. Macht Papa doch auch ab und zu: Hektisch an seinem Headset fummeln, wenn er im Konferenzmarathon eine Pause braucht oder es einfach mal genießt, mit der Familie unter der Woche mittags eine Suppe zu löffeln. Oder Mama, die ungekrönte IT-Königin der Familie, die der Abteilung vorsorglich ankündigt, dass seit heute Vormittag die Leitung „leider, leider“ Aussetzer hat und möglicherweise vor Sitzungsende zusammenbrechen könnte. Ausreden gibt es viele weitere – manchmal recht wunderliche.

          So wie die von der Frau im schmucken Neubau, die sich in der Konferenz-Pause im Keller eine Sprudelflasche holen wollte und nicht mehr vor dem Bildschirm auftauchte. Die noch grifflose Tür war zugefallen, der Abstandshalter verrutscht. Die restliche Familie hörte unterm Headset ihre Wutschreie nicht. Abgekauft haben ihr diese Ausrede alle Kollegen. So etwas Abgedrehtes kann man sich ja kaum ausdenken! Auf die Kellerkind-Idee müssten die Schüler erst mal kommen. Denn die Lehrer lernen dazu und drohen: Häufen sich digitale Pannen, tütet ihr die Lösungen ein und bringt sie zur Post. Auch das Referat über die Steinzeit! Erstaunlich, wie sich die Netzprobleme über Nacht in Luft aufgelöst haben.

          In der Kolumne Nine-to-Five schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule.

          Ursula Kals
          (uka), Beruf & Chance, Wirtschaft

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