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Kolumne „Nine to five“ : Teilzeitmutter im Schulstress

  • -Aktualisiert am

Auch Schulkinder brauchen Betreuung nach der Schule; für arbeitende Eltern gibt’s viel zu organisieren. Bild: dpa

Schulkinder sind aus dem Gröbsten raus und bereiten arbeitenden Eltern keinen Betreuungs-Stress mehr? Von wegen! Das Gegenteil ist der Fall.

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          Nach sechs Wochen Sommerferien hat auch in Bayern die Schule wieder begonnen. Kein Problem, dachte zum Ferienende die erfahrene Familienmanagerin – die beiden Töchter haben den Ernst des Lebens längst erfahren, es stand lediglich der Wechsel in die Klassen drei und fünf an. Die Teilzeitmutter lehnte sich also entspannt zurück. Das komplexe Sicherheitsnetz aus Großelternbesuchen, Ferienfreizeiten und zwei Wochen Familienurlaub am Gardasee, das ihr Partner und sie in den vergangenen Wochen geknüpft hatten, bekam nun wieder den doppelten Boden der Ganztagsbetreuung – wenigstens bis 16 Uhr. Danach muss Mama wieder ran. Denn der Teilzeitvater der Kinder arbeitet drei Tage die Woche satte 200 Kilometer entfernt. Nach jahrelangem Training schnurrt der Familienbetrieb dennoch wie eine gut geölte Maschine – solange eben Schule ist.

          Der Plan für die erste Woche nach den Ferien stand auch schon: Die Schule begann am Dienstag. Mama muss immer montags, dienstags und mittwochs in die Firma. Papa ist dienstags, mittwochs und donnerstags nicht in der Stadt. Er nahm sich für Montag frei, und sie sollte die Kinder am Dienstag in die Schule bringen. Doch eine E-Mail aus der neuen Schule der Zehnjährigen brachte das sorgfältig geplante Konstrukt ins Wanken: „Liebe Eltern, der Start in die Gymnasialzeit ist ein großer Einschnitt in das Leben Ihrer Kinder. Um ihnen den Übergang schonend zu gestalten, geben wir Ihrer Familie noch etwas Zeit für sich und starten am ersten Schultag erst um 14 Uhr bei Kaffee und Kuchen. Bitte geben Sie Bescheid, welchen Kuchen Sie mitbringen werden.“

          Dankesreden, Revancheversprechen

          Die Teilzeitmutter raufte sich die Haare: Nachmittags kann sie sich freinehmen, aber vormittags hat sie Termine! Wohin mit dem Kind – und wann soll sie noch Zeit zum Kuchenbacken finden? Erst hektische Anrufe bei anderen Eltern brachten die Lösung: Das Kind konnte zu einer Freundin, dessen Mutter nahm sich frei, Dankesreden und Revancheversprechen folgen.

          Am Abend vor dem Schulbeginn wurde noch schnell ein Marmorkuchen zusammengerührt – die Profi-Mutter hat nach diversen Kindergarten- und Schulfesten die Zutaten immer im Haus.

          Am nächsten Tag schaffte sie es gerade noch pünktlich zur zweiten Einschulung ihrer Tochter. Irritiert nahm sie allerdings wahr, dass manche Kinder tatsächlich eine zweite Schultüte hatten und witterte schon Vorwürfe. Während 200 Fünftklässler in der Aula ohrenbetäubend laut um ihre Eltern herumtobten, beugte sich die Teilzeitmutter zu einer Freundin und seufzte: „Ich wollte doch einfach nur ganz normal zur Arbeit.“

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