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Kolumne „Nine to Five“ : Schwarzer Montag

  • -Aktualisiert am

Montagsgefühl. Bild: dpa

Oh nein, es ist schon wieder Montag! Dieser Tag wird Ihnen nichts als Frust bringen. Aber am Ende der Woche wird alles wieder gut werden.

          2 Min.

          Der Montag beginnt eigentlich immer ganz okay. So ähnlich wie der Samstag und der Sonntag: Es gibt Filterkaffee und man möchte gleich weiterspielen. Natürlich muss man dann, och wie doof, arbeiten gehen. Mit dem Betreten des Büros - Arbeitnehmer wissen nur allzu gut, was ich meine - wird die gute Laune flüchtig. Das Hirn merkt, dass dies nicht der Badesee ist und schüttet seltsame Hormone aus, die alles in einen grauen Schleier tauchen. Der Kaffee schmeckt anders. Es riecht nach Plastik, Plastikreiniger und nochmals nach Plastik.

          „Bitteres Gegentor gestern.“

          „Ja, bitter, aber war verdient.“

          „Und wie war das Wochenende?“

          „Wochen...-, ähm. Sorry, hab ich gerad vergessen. Ach ja, waren am See.“

          Montags leidet das Libidozentrum unter Arthrose. Der Computer summt leise wie eine Gazelle los. Großer Unsinn, dieser Satz. Es ist ein Montagssatz. Man will ja überhaupt nichts hinkriegen. Das Gehirn schüttet fortwährend Lähmungshormone aus. Der Fluchtinstinkt ist bedauerlicherweise auch tot. Man gibt wie gewohnt schnell auf und versucht zu arbeiten. Dabei raus kommt schrecklich wirres Zeug. Man tritt den Mülleimer und brüllt ganz leise los.

          Nichts gelingt

          Ganz bestimmt: So ist es wirklich nur am Montag, aber dann auch wirklich immer. Die Arbeit, das ganze Sein an sich am Montag ist wesenhaft anders als die an allen anderen Wochentagen. Nichts geht: Versuche eine Stunde, bei Twitter ein Foto anzuhängen, der Rechner erlahmt. Gehe zum Kaffeeautomaten, raus, rein, Tür zu, auf, die unwichtigen E-Mails von letzter Woche beantworten, „Hallo, Herr Kollege, alles klar?“, draußen zittern die Baumesblätter im fernen Winde.

          Der Montag ist der Schlag Gottes mit dem Holzknüppel auf den Hinterkopf seiner sündigen Schöpfung. Es ist der höchstpersönliche Tauchgang in den Hades, der den Arbeitnehmer jäh aus seinem schönen Leben reißt und an seine Unfreiheit erinnert. Dass nichts Gutes dabei rauskommt, wenn man so müde und wirr seinem Handwerk nachgehen muss, wundert keinen Arbeitspsychologen.

          Es ist ein Geschenk Gottes

          Aber dann wird alles besser, schon am Dienstag. Der Montag ist die Erdung und Ernüchterung, die uns durchrüttelt und anschubst. Der Montag, so hätte es der alte Fernsehpfarrer jetzt gesagt, ist „auch gut so“, denn der Montagsblues macht erst Dampf im Kessel, so dass man ab Dienstag, wenn man grummelig ein Büro voller liegengebliebener Arbeit betritt, so richtig gut arbeiten kann.

          Der Montag schenkt uns den heiligen Zorn, der aus finsterster Dunkelheit scheinbar Licht werden lässt, und - Max Weber, der Entdecker der protestantischen Arbeitsethik als Wurzel der kapitalistischen Prosperität, hätte es nicht anders formuliert - Keimzelle ebendieser Prosperität ist. Der Frust ist die Quelle des Gelingens, die Gottesferne, nicht die Erholung und das Träumen und Rumhängen.

          Von daher wäre es ein großer Fehler, wenn Arbeitsministerin Nahles und die Gewerkschaften eines Tages auch noch den Montag abschaffen wollten.

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