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Kolumne „Nine to five“ : Schlaffi neben Feldherr

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Spannung in den Gliedern wie ein Feldherr: Ein Stehender am Schreibtisch macht auf der Arbeit schon mal Eindruck. Bild: Frank Röth

Wenn sich bald hoffentlich wieder die Großraumbüros füllen, wird der wahre Charakter des Stehtischs auffallen: Er mag gesund sein für seinen Nutzer – anderen aber macht er ein schlechtes Gewissen.

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          Die Bandscheiben lügen nicht. Die verkürzte, total schlappe oder wie auch immer unzureichende Rückenmuskulatur auch nicht. Insofern sind Stehtische am Arbeitsplatz super, jedem zu gönnen, ein Fortschritt. Im Einzelbüro jedenfalls. Oder im Homeoffice, denn das ist ergonomisch ja meistens ein Witz. Aber wenn sich bald hoffentlich wieder die Großraumbüros füllen, wird der wahre Charakter des Stehtischs auffallen: Er mag gesund sein für seinen Nutzer – anderen aber macht er ein schlechtes Gewissen.

          Ein stehender Mensch sieht entfernt sportlich aus, durchgedrückter Rücken, Spannung in den Gliedern, wie ein Feldherr. Oder wie eine Felddame. Das macht auf der Arbeit schon mal Eindruck. Es löst aber zwiespältige Gefühle aus, sich neben derart kerzengeraden Kollegen in den Bürostuhl plumpsen zu lassen. Das sieht gleich so schlaff und unmotiviert aus. Mickrig sowieso.

          Die Steher kommen einem im direkten Vergleich nämlich wie Riesen vor – dafür sind keine 1,90 Meter nötig. Und während man da so kauert und mit Bürobuckel sein Bestes gibt, ahnt man schon, dass bald alles nur noch schlimmer wird. Denn der Stehtisch ist nicht die letzte Evolutionsstufe für Büromöbel.

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          Es mehren sich Berichte, wonach das Arbeiten vom Laufband aus noch viel besser sei. Erste bürotaugliche Kombimodelle gibt es schon. Gehend oder, je nach Tätigkeit, im leichten Trab durch den Arbeitstag: Das sei möglich, heißt es, sogar geräuscharm. Ein Sieg für die Volksgesundheit. Das pure Glück für die Beschäftigten.

          Und die Krankmeldungen gehen garantiert dramatisch zurück, ach was, die werden im Grunde abgeschafft. Wie wir uns in dieser schönen neuen Bürowelt verhalten, ist klar: Wenn die Kollegen morgens ihre Laufschuhe und Pulsmesser rausholen, in die Funktionswäsche schlüpfen, isotonische Getränke am Pult aufreihen und voller Elan Berge an Arbeit bewältigen – dann jubeln wir ihnen, kollegial, wie wir sind, natürlich zu: Du schaffst es! Zwei Mails noch, go, go, go! Und wenn Feierabend ist, bitten wir um ein Autogramm.

          In der Kolumne „Nine to Five“ schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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