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Kolumne „Nine to five“ : Schicksal einer Steckdose

Autos mit Steckdose sind im Kommen: Kommen jetzt auch die goldenen Zeiten für Elektriker? Bild: dpa

Elektriker, aufgepasst! Die E-Autos kommen! Die Haushalte brauchen Steckdosen dafür! Euch winkt eine Menge Arbeit! Und was sagt der Elektriker unseres Vertrauens? „Also wirklich, für mich ist das nichts.“

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          Die Elektriker, so könnte man meinen, haben es im Moment richtig gut. Auf dem Bau boomt es. Wer in seinem Beruf gut ist, kann sich aussuchen, welchen Auftrag er annimmt – und die Bauherren müssen darum betteln, dass von den Handwerkern mal wieder ein Termin auf der Baustelle wahrgenommen wird.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Davon aber soll hier gar nicht die Rede sein. Denn die Baukonjunktur wird sich auch wieder abschwächen. Spannender ist doch die Frage, wie die langfristigen Berufsperspektiven aussehen.

          Und unter diesem Aspekt kommt die Elektromobilität ins Spiel. Dass die deutsche Autoindustrie mit elektrisch betriebenen Modellen noch nicht an der Spitze der technischen Innovation steht, ist dabei nicht entscheidend. Es ist auch nicht wichtig, dass die Autos bisher nur in homöopathischen Dosen verkauft werden. Denn beides wird sich ändern, und im Vergleich zum heutigen, niedrigen Niveau werden die Steigerungsraten erheblich sein. Kurzum: Auf die Elektriker des Landes wartet – konjunkturunabhängig – jede Menge Arbeit. Denn E-Autos müssen aufgeladen werden, und die entsprechenden Steckdosen gibt es fast noch nirgendwo.

          „Sie wollen wirklich so einen Anschluss haben?“

          Den Elektriker unseres Vertrauens haben wir, als er vor ein paar Tagen ohnehin bei uns tätig war, einmal darauf angesprochen: „Glückwunsch, bei Ihnen geht es jetzt ja richtig rund.“ Und was sagt dieser Handwerker? „Och, habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht.“ „Sie wollen wirklich so einen Anschluss haben?“ „Die Autos sind doch völlig unbrauchbar.“ „Also wirklich, für mich ist das nichts.“ Und schließlich: „Na gut, ich ziehe Ihnen ein Kabel runter, dann können Sie ja machen, was Sie wollen, schönen Abend noch.“

          Der Gesprächspartner bleibt verdutzt zurück, fährt mit dem Dieselauto zur Arbeit – und fragt sich, ob die öffentliche Debatte zum Diesel im Besonderen und zur Zukunft des Verbrennungsmotors im Allgemeinen möglicherweise etwas überhitzt ist. Der Elektriker jedenfalls setzt bis auf Weiteres lieber auf Haushaltssteckdosen.

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