https://www.faz.net/-gyl-8uyvz

Kolumne „Nine to five“ : Scherzkekse 4.0

  • -Aktualisiert am

Karneval naht unaufhaltsam. Doch die traditionellen Scherzkekse sind immerhin berechenbar. Bild: dpa

Zu Karneval darf auch am Arbeitsplatz wieder entschlossen gescherzt, veralbert und schenkelgeklopft werden. Nicht jedermanns Sache. Es geht allerdings noch eine Spur schlimmer.

          1 Min.

          In nächster Zeit wird es wie immer ziemlich schlimm. Oder super, super lustig, das hängt vom Standpunkt ab. Mit anderen Worten: Es ist zwar erst Februar, aber im Kalender sind die Hinweise Rosenmontag/Fastnacht und 1. April nicht mehr weit. Dann darf auch am Arbeitsplatz wieder entschlossen gescherzt, veralbert und schenkelgeklopft werden, dass es dem einen eine Freude ist und dem anderen ein Graus. Das heitere Treiben um abgeschnittene Krawatten, Pappnasen in Kollegengesichtern und Aprilscherze kann auch Belegschaften spalten. Hier („danke, lieber nicht) die Verweigerer - dort („klasse, los geht’s!) die Anhänger.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die erste Gruppe sind die Zeiten härter. Denn erstens läuft der Countdown bis zu den vermeintlich lustigsten Arbeitstagen des Jahres erbarmungslos. Und zweitens blüht eine noch zweifelhaftere Spaßkultur, die gute Laune für das ganze Jahr verspricht. Jedenfalls scheint die Wortschöpfung „pranken“ inzwischen weit verbreitet zu sein. Sie ließe sich mit veräppeln übersetzen, aber natürlich auch mit rustikaleren Verben. Mit ein paar Klicks landet man im Internet bei „Pranks“ fürs Büro, und sie lassen einen erahnen, dass all die Krawattenkürzungen oder Aprilscherze ein Klacks dagegen sind. „Geprankt“ wird auf einem anderen Niveau.

          Die Witzbolde betreiben riesigen Aufwand

          Da werden Computermäuse technisch manipuliert, Bildschirme umprogrammiert oder Telefone sabotiert. Von dem Aufwand, den manche treiben, um einem schnöden Drucker Scherzpotential abzuringen, nicht zu reden. Man kann den Witzbolden und Fallenstellern wahrlich nicht vorwerfen, dass sie nicht mit der Zeit gehen. Im Gegenteil: Der manuelle Büro-Streich scheint am Ende zu sein, versteckte Schlüssel, bearbeitete Schubladen, solche Sachen aus einer sehr fernen Zeit.

          Stattdessen ist heute einige technische Finesse unverzichtbar, um andere reinzulegen. Das macht es wiederum besser: Der Scherzkeks 4.0 braucht nicht nur das Naturell eines Pausenclowns, er kommt auch nicht ohne IT-Kompetenz aus. Und wo fällt das schon zusammen, überschäumend lustig und technisch akribisch? Andererseits muss sich diese Klientel an keinen Kalender halten, sie kann jederzeit zuschlagen, ist also wesentlich unberechenbarer. Dann schon lieber ein bisschen Halligalli an Karneval und Fastnacht. Diese Spaßoffensive kommt zwar zuverlässig - aber sie geht ja auch wieder.

          Weitere Themen

          Letzte Chance für Bewerbung als Astronaut

          Harter Traumberuf : Letzte Chance für Bewerbung als Astronaut

          Sich bei der Esa als Astronaut zu bewerben – diese Chance ist selten. Zum letzten mal wurden Kandidaten vor rund einem Jahrzehnt ausgesucht. Die Anforderungen an die Bewerber sind enorm. Bald endet die Frist der aktuellen Runde.

          Topmeldungen

          Auf Tour in Berlin: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach seinem Auftritt beim Tag der Deutschen Familienunternehmen

          Bundestagswahl 2021 : CDU will Betriebe steuerlich schonen

          Das Wahlprogramm der Union gewinnt erste Konturen mit einem Belastungsdeckel für Unternehmen. Offen ist, wie Mehrausgaben für Klima und Soziales zur Schuldenbremse passen.

          Wahlkampf mit Euro und EU : Marine Le Pen auf dem Vormarsch

          Forderungen nach einem Austritt aus dem Euro und der EU gehören nicht mehr zum Programm der polarisierenden Französin. Warum Le Pen vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr wieder Hochkonjunktur hat.
          Eine Schulklasse im Ortsteil Britz in Berlin-Neukölln: Lehrer werden in der Hauptstadt seit 2004 nicht mehr verbeamtet.

          Keine Verbeamtung : Warum viele Lehrer Berlin verlassen

          Seit 2004 werden Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet. Viele junge Lehrer suchen sich deshalb nach dem Studium einen anderen Arbeitsort. Jetzt schlagen die Schulleiter Alarm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.