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Kolumne „Nine to Five“ : Petzen beim Chef

  • -Aktualisiert am

Schon zu Schulzeiten ungeliebt: Petzen Bild: dpa

Petzen gelten als Verräter, Stimmungstöter, durch und durch unbeliebt. Wer petzen will, sollte es sich also zweimal überlegen. Mindestens. „Du Petze!“ ist also ein ziemlich schlimmes Schimpfwort. Gerade im Büro.

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          In der Rangliste der Zweiwortsätze mit besonders zerstörerischer Wirkung dürfte dieser eine Spitzenposition belegen: „Du Petze!“ Petzen gelten als Verräter, Stimmungstöter, durch und durch unbeliebt. Wer petzen will, sollte es sich also zweimal überlegen. Mindestens. Womit wir bei einem ernsthaften Problem im Arbeitsalltag sind. Denn fast jeder dürfte schon mal einen jener Kollegen kennengelernt haben, die eigentlich nichts anderes als Petzen verdient haben. Die ultimative Drohung also: Dann gehe ich eben zum Chef! So manchen Dauerfaulenzer, Drückeberger oder Miesepeter wünscht man sich in seiner Verzweiflung - oder ist es Charakterlosigkeit? - tatsächlich in die Hände eines unerbittlichen Vorgesetzten. Auf dass der ihn endlich zur Besinnung oder zu sozialverträglichem Verhalten bringe. Oder wenigstens zum Arbeiten.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass es da draußen in der großen weiten Arbeitswelt reichlich Gelegenheit gibt, allgemeinverträgliche und eigentlich wohlmeinende Kollegen auf die Palme zu bringen, dürfte unstrittig sein. Der tiefe Wunsch nach Petzen ist deshalb auch nur zu verständlich. Spiegelt er doch vor allem Hilflosigkeit. Viele kennen das ja noch aus der Grundschule: Auch dort tummeln sich mitunter jene nervigen Gesellen, denen mit guten Argumenten oder langem Zureden nicht beizukommen ist. Aber schon der Gang zum Lehrer war heikel. „Petze!“ war ungefähr so ein Urteil wie „Gemeine Memme!“. Umso mehr stellt sich auch im Erwachsenenleben die Frage, welche Maßnahmen so ein fauler Apfel in der ansonsten tadellosen Kollegentruppe wert ist.

          Noch immer wie Schüler

          Das Risiko beim Petzen ist beträchtlich geblieben - auch jenseits des Grundschulalters. Gefahr Nummer eins: Der Chef findet Petzen noch schlimmer als die schlimmsten Verfehlungen des Verpetzten. Nummer zwei: Er hat zwar nichts gegen Petzen, aber kein Interesse, den Angeschwärzten in den Senkel zu stellen. Das würde nur Unruhe bringen, so die bequeme Logik. Bisher hat’s ja auch irgendwie funktioniert. Beides liefe auf das Gleiche hinaus: Der Petzer wäre am Ende der Dumme, und ändern würde sich gar nichts. Das wäre auch bei Gefahr Nummer drei der Fall: Die zuvor ebenfalls genervten Kollegen wenden sich plötzlich vom Petzer ab und dem Verpetzten zu - denn zum Chef zu rennen sei ja wohl das Letzte.

          Kurzum: Alle Arbeitnehmer, ob Berufsanfänger oder kurz vor der Rente, sind in diesem Punkt immer noch wie Schüler. Und für die gilt: Petzen ist doof.

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