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Kolumne „Nine to five“ : Permafrost im Büro

Klimawandel: Aber was bringt die Eisberge im Büro zum Schmelzen? Bild: dpa

Es ist hart, wenn einem von allen Seiten frostige Stimmung entgegenschlägt – vom Chef, von der Sekretärin, ja sogar von der eigenen Ehefrau. Zeit für den Klimawandel!

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          Schon der Start in den Tag verlief alles andere als optimal. Im Verlauf einer Diskussion über die Lastenverteilung im heimischen Familienhaushalt am Vorabend hatte sich Oswald zu der Bemerkung hinreißen lassen, „das bisschen Haushalt“ werde seine Frau angesichts ihres Halbtagsjobs ja wohl noch in den Griff kriegen. Schließlich seien die Kinder alt genug, um mitzuhelfen. Die Stimmung während des Frühstücks nebst Verabschiedung musste durchaus mit „frostig“ umschrieben werden.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Das Klima im Büro schloss nahtlos daran an. Oswalds Sekretärin knallte ihm die Unterlagen wortlos auf den Tisch. Anscheinend hatte sie ihm immer noch nicht verziehen, dass er im Gespräch mit seinem Kollegen über ihre Rechtschreibschwäche gelästert hatte – dummerweise bei nicht ganz geschlossener Tür. Auch sein ironischer Hinweis auf die Vorzüge der Digitalisierung in diesem Zusammenhang hatte die Sache nicht besser gemacht. Es würde wohl seine Zeit dauern, bis sich die Lage entspannte.

          Ganz zu schweigen von seinem Chef. Der trug ihm wohl immer noch nach, dass Oswald ihn beim Firmenfußball per Beinschuss gedemütigt hatte. Dass die anschließende Jubelpose im Stile Usain Bolts vor versammelter Mannschaft des Guten doch ein bisschen zu viel gewesen war, sah Oswald im Nachhinein ja ein. Aber rechtfertigte dieser Vorfall wirklich, dass er ihn nun schon seit Wochen mit Missachtung strafte und allenfalls in der dritten Person über Kollegen zu ihm sprach? Die Eiszeit im Büro brachte Oswald an diesem Sommermorgen ins Frösteln.

          Klimawandel – die Lösung?

          Gedankenverloren blätterte er in der Zeitung, als eine Meldung seine Aufmerksamkeit erregte. „Permafrost auf Zugspitze könnte 2080 verschwunden sein“, hieß die Überschrift. Forscher hatten errechnet, dass der Klimawandel dem Dauerfrost auf Deutschlands höchstem Berg in absehbarer Zeit ein Ende bereiten könnte.

          So schrecklich diese Nachricht auch war – plötzlich kehrte die Zuversicht in Oswald zurück. Bedeutete dies nicht auch, dass selbst die dickste Eisschicht irgendwann einmal zu schmelzen beginnt? Dass Wärme und Kälte sich physikalisch bedingen? Also auf sein Leben übertragen: dass Chef, Frau und Sekretärin bald wieder seinem Charme erlägen, den er ja zweifellos besaß und ihm menschliche Wärme entgegenbrächten? Ja, dachte Oswald, so werde es zweifellos kommen. Deutlich besser gelaunt las er weiter. Permafrost halte als ewiges Eis die Berge im Hochgebirge im Innern zusammen, stand dort. „Schmilzt er, ist häufiger mit Steinschlag und Felsstürzen zu rechnen.“

          Abrupt knüllte er die Zeitung zusammen und warf sie in den Papierkorb. Für den weiteren Tagesablauf rechnete er mit dem Schlimmsten.

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