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Kolumne „Nine to five“ : Oben ohne ins Büro

Ladenhüter in Corona-Zeiten: der BH Bild: dpa

Die Corona-Krise und das erzwungene Homeoffice haben im Berufsleben so manches über den Haufen geworfen. Gehört der BH auch dazu? Eine Blitzumfrage führt zu einem widersprüchlichen Ergebnis.

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          Für viele Dinge mit dem Anfangsbuchstaben „B“ könnte Corona das Ende bedeuten: Beziehungen, Büros, Ballermann. Und dann ist da noch der BH. Geht es nach der internationalen Mode-Presse, sind seine Tage gezählt: „Ist es jetzt an der Zeit, sich vom BH zu verabschieden?“, fragt die „Vogue“. „Werden wir jemals wieder BHs tragen?“, titelt „Harper’s Bazaar“. Für so manche Millennials sind das rein rhetorische Fragen: Sie leben seit einigen Jahren den „Braless“-Trend aus, verzichten also ganz im Spirit der Frauenrechtsbewegung der sechziger Jahre auch in der Öffentlichkeit, also auch im Büro, auf das Tragen eines BHs.

          Doch auch ältere Generationen haben es im coronabedingten Homeoffice offenbar genossen, sich obenrum frei zu machen: So schrieb etwa die amerikanische Autorin Roxane Gay – Jahrgang 1974 – auf Twitter: „Habe gerade zum ersten Mal seit wer weiß wann einen BH angezogen und meine Brüste so: Bitch, what?“ Der Tweet erhielt mehr als 30.000 Likes und wurde fast 2000 Mal geteilt. Und es stimmt ja: Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen und den BH auszuziehen, und das sagt doch schon viel über den Tragekomfort dieses speziellen Kleidungsstückes, oder? Für die Männer unter den Lesern: Das Erlebnis ist ungefähr vergleichbar mit dem Moment, in dem man nach sechs Stunden auf der Piste die Skischuhe abstreift. Doch der Gedanke, den Büstenhalter aus dem Kleiderschrank zu verbannen, ja sogar im Büro „braless“ zu erscheinen, scheint fast zu kühn, um ihn laut auszusprechen. Aber warum eigentlich?

          Blitzumfrage unter den Kolleginnen und Kollegen: Herr M. findet, es sei jedem selbst überlassen, was er unter seiner Kleidung trage. Schön wär’s, meint Frau D.: Sie fände es super, keinen BH mehr zu tragen, traue sich das aber schon in der Freizeit kaum. „Oben ohne“ ins Büro? „No way.“ „Der BH ist das Gefängnis der Brüste“, pflichtet Frau M. bei, aber auf der Arbeit keinen zu tragen, traue sie sich auch nicht. Frau K. schließlich merkt an, dass solche Freiheiten, wenn überhaupt, nur Frauen mit kleinen Körbchengrößen vergönnt seien.

          Würde man eine Überschrift für diese (nicht repräsentative) Umfrage suchen, könnte sie lauten: Der BH ist tot, es lebe der BH. Sosehr es sich manche Frauen wünschen und sowenig an dieser Stelle am Trendgespür der Modemagazine dieser Welt gezweifelt werden soll: So schnell gibt sich der BH wohl nicht geschlagen, Virus-Pandemie hin oder her.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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