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Kolumne „Nine to five“ : Momente der Scham

Bild: dpa

„Live Porn Chat now?“ Ob auf Facebook oder Instagram, Anfragen wie diese ploppen immer wieder unerwünscht auf Herrn T.s Bildschirm auf. Blöd, wenn ihm der Chef dabei über die Schulter schaut.

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          Na, wie wär’s? Live Porn Chat now? Dazu die Vorschau eines Videos: eine knapp bekleidete junge Frau. Ob auf Facebook oder Instagram, Anfragen wie diese kommen zuhauf. Ständig drückt T. sie weg. Sie landen zwar im Spamordner, doch irgendwie erreichen sie ihn immer wieder. T. weiß dann nicht, was am wirksamsten ist: blockieren, melden, einfach löschen? Dann fragt er sich: Dieser Digitalwerbekonzern verfügt über die besten Algorithmen der Welt. Sie schlagen ihm immer wieder Inhalte vor, bei denen T. nicht weggucken kann. „Mein Feed kennt mich besser als ich mich selbst“, sagt er. Damit verdient Facebook Milliarden und Abermilliarden. Und ist nicht in der Lage, „Live Porn Chat“ wegzufiltern und Profile, die Ungewolltes verbreiten, zu löschen? So schwierig kann das doch nicht sein!

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Meistens lösen diese Nachrichten bei T. einen kurzen Moment der Scham aus. Wenn er die Nachricht entfernt hat, scrollt er weiter und hat sie schnell vergessen. Doch dann sind da die Tage, sie werden angesichts der abflauenden Pandemie häufiger, an denen T. im Großraumbüro ist und auf Facebook oder Instagram recherchiert: um zu sehen, wie sich Unternehmen dort präsentieren, welche Werbung sie schalten oder um Geschäftskontakte zu finden. Und dann sind da wieder diese ungewollten Nachrichten. Hektisch drückt T. sie weg und dreht sich nervös um: Hat jemand die halb nackte Frau auf seinem Bildschirm gesehen? Er wird rot und fleht insgeheim Mark Zuckerberg an, ihn endlich davon zu befreien.

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