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Kolumne „Nine to five“ : Mehrheit für Heavy Metal

Ob sie demnächst auch im Büro Luftgitarre spielen? Bild: Reuters

Einfach immer mit dem Mainstream mitschwimmen - bei der Musikauswahl fürs Sommerfest gelang Kollegin Müller ihre sonst so geliebte Strategie einfach nicht mehr. Warum am Ende sogar ein anderer befördert wurde.

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          Maja Müller möchte immer alles richtig machen und gibt ihr „Ich“ allmorgendlich am Empfang ab. Geduckt und angepasst versucht sie zu erspüren, was man von ihr erwartet. Das ist anstrengend, denn nichts Genaues weiß man nicht, was man gerade liest und man gerade entscheidet. Schorsch Schmitz ist schnurzpiepegal, was andere von ihm denken. Dumm nur, dass Müller/Schmitz in einem neu zusammengewürfelten Team gelandet sind.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Aktuell geht es um die Musikauswahl zum Sommerfest. „Ich erwarte Ihre Vorschläge!“ Der Chef fixiert seine Mitarbeiter. Müller hält mit ihrer Meinung hinterm Berg, bevor sie nicht erspürt hat, was man im Kollegenkreis so hören mag. Ein schwieriges Unterfangen: Einer schlägt Jazz vor, einer seichten Pop, was Gefälliges. Mit verächtlichen Witzchen über tumbe Schlagerfuzzis versichert sich die Akademiker-Runde ihres Wertekanons. Beflissentlich grinst Maja Müller mit, obwohl sie nicht nur beim Feudelschwingen gerne Schlager hört.

          „Nothing else matters!“

          „Frau Müller, was schlagen Sie vor?“ Sich der Mainstream-Meinung anschließen, ist diesmal nicht, die liegt nicht vor. Erzählt man sich nicht vom Chef, dass er ein Opernabo hat? Nervös setzt Frau Müller auf Mozart in der Hoffnung, damit nichts verkehrt zu machen. Mozart? Begeisterung klingt anders. Schmitz schaltet sich ein mit aufsässiger Ich-misch-den-Laden-auf-Miene: „Ich halte Metallica dagegen. Das bringt Stimmung, ich bin gut sortiert und kann was brennen. Da brennt die Luft.“ – Die Müllerin hält selbige an. Die anderen sind in Halbachtstellung. Der Chef schweigt, sagt dann gedehnt: „Mir wäre Iron Maiden lieber. Gestern habe ich mal wieder „Phantom of the opera“ gehört. Sagenhaftes Stück...“ Die Diskussion gewinnt an Fahrt. Heavy Metal erhält zur Überraschung aller den Zuschlag. „Damit rüsten wir uns für harte Zeiten!

          Seither ist zwischen Schmitz und dem Chef ein neuer Ton eingezogen, sie fachsimpeln über die Pilotenkarriere von Maiden-Sänger Bruce Dickinson, über Gigs und Teufelsfratzencover. Der Chef geht nicht mehr zum Lachen in die Tiefgarage: „Neulich habe ich ,The Trooper‘ aufgedreht, um Helene Fischer zu übertönen, die läuft bei uns oft. Meine Frau war fuchsteufelswild.“ Atemlos schnappt Maja Müller das auf. Sie versteht die Welt der Metallmänner-Fusion nicht mehr. Fehlt nur noch, dass die gemeinsam Luftgitarre spielen!

          Es kommt noch härter: Schmitz wird befördert mit warmen Worten, die von der Qualität des Querdenkens handeln. „Nothing else matters!“ zitiert der Chef den Metallica-Klassiker. Fassungslos kauft die zu kurz Gekommene eine Iron-Maiden-CD und ein Buch über „Authentischsein im Job“. Kapitel eins: Perfektion ist langweilig.

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