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Kolumne „Nine to five“ : Maulkorb für den Schweinehund

  • -Aktualisiert am

Stretching im Büro: In diesem japanischen Unternehmen werden die guten Vorsätze direkt neben den Schreibtischen in die Tat umgesetzt. Bild: AFP

Halten Ihre guten Vorsätze fürs Büro noch? Nein? Entspannen Sie sich! Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.

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          Wie in jedem Jahr ist der Januar für viele Menschen ein Monat, um, wenn schon nicht neue, dann wenigstens abermals gute Vorsätze anzugehen, die am Neujahrsmorgen gefasst wurden. Zehn Kilo abnehmen, mehr Sport treiben, mit dem Rauchen aufhören („Wie höre ich mit dem Rauchen auf?“ ist übrigens eine der häufigsten Suchanfragen auf Google am 1. Januar sowie an Montagen). Menschen mit gewissem beruflichen Ehrgeiz setzen sich aber natürlich auch für den Arbeitsalltag hehre Ziele: in der Mittagspause das Netzwerk besser zu pflegen, beim Chef den nächsten Abteilungsleiterposten klarzumachen, endlich die Fortbildung im Projektmanagement zu belegen.

          Die Ziele eher realistisch denkender Kollegen sind da schon niedriger gesteckt. Manch einem genügt es, in den Pausen öfter an die frische Luft zu kommen, andere wollen seltener in die Kantine gehen und öfter die Reste vom Vorabend in der Tupperdose mitbringen; ganz bescheidene Gemüter fassen eine neue Topfpflanze ins Auge. Was all diese Vorsätze gemein haben: Sie sind gut gemeint – aber leider schlecht gedacht.

          Denn jeder von uns weiß es doch eigentlich besser: den inneren Schweinehund überwindet niemand plötzlich, nur weil ein neues Jahr angebrochen ist. Und man befindet sich ja auch in guter Gesellschaft. Denn schon Aristoteles kannte dieses bockige Tier angeblich vor mehr als 2000 Jahren. Studien der Neuzeit wiederum belegen, dass tatsächlich nur rund 30 Prozent der Vorhaben wirklich in die Tat umgesetzt werden und die meisten Menschen schon nach drei Wochen die Flinte ins Korn werfen. (Sie haben jetzt also noch gut eine Woche Zeit!)

          Gewohnheitstiere

          Der Homo sapiens ist einfach ein Gewohnheitstier und tut sich äußerst schwer damit, den täglichen Trott zu durchbrechen – schon gar nicht, wenn er sich durch eine gewisse gesellschaftliche Erwartungshaltung („Und was hast du dir für dieses Jahr vorgenommen?“) dazu genötigt sieht. Was bleibt, ist das schlechte Gewissen, versagt zu haben. Das wiederum meldet sich dann wieder pünktlich am 31. Dezember, wenn das vergangene Jahr noch mal Revue passiert.

          Deshalb an dieser Stelle ein Vorschlag, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen: Wie wäre es beispielsweise, gute Vorsätze künftig nicht mehr im Januar, sondern am 22. März anzugehen? In diesem Jahr ein stinknormaler Donnerstag, auch ansonsten frei von besonderen Ereignissen wie christlichen oder gesellschaftlichen Feiertagen. Wer dem Umstand huldigen will, dass die Vereinten Nationen seit 1993 an diesem Datum den Weltwassertag feiern, kann ja eine Runde schwimmen gehen.

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