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Benjamin Fischer

Musikauswahl im Büro : Kein Herz für Helene Fischer

Helene Fischer-Fans gibt es reichlich, aber auch viele, die sich da ganz sicher nicht dazu zählen würden. Bild: dpa

Die musikalischen Vorlieben von Indie-Rock-Freunden, Schlager-Fans und der Deutsch-Pop-Fraktion lassen sich im Büro kaum unter einen Hut bringen. Was tun? Die Kolumne „Nine to five“.

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          Es ist eine höchst brisante Erkenntnis, die der Streamingdienst Deezer da fast beiläufig mit der Arbeitswelt teilt: Eine internationale Umfrage unter 8000 Erwachsenen habe ergeben, dass 30 Prozent der Mitarbeiter am Arbeitsplatz Lieder zugunsten ihres eigenen Lieblingssongs überspringen. Es kommt noch schlimmer: 45 Prozent der Befragten räumten dem Spotify-Konkurrenten zufolge ein, dass das Spielen von neuer Musik im Büro zu Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten und Streitereien geführt habe. Bei der Musik endet offenbar die Toleranz.

          Manch einer möchte da nun sicher anmerken, das liege eben an dem leidigen Faible des lieben Büronachbarn für banalsten Deutsch-Pop, und irgendwann sei es dann eben auch mal gut mit Tim Bendzko und Co. Weiterklicken oder Radiosender wechseln als verzweifelter Akt der Notwehr also. Doch damit sind wir beim Kern des Problems: Solange der Arbeitgeber die Teams nicht nach Musikgeschmack zusammenstellt, lässt sich dieser elementare Konflikt kaum lösen.

          Am besten an Kettcar halten

          Wie schön und wie einfach wäre es dagegen, wenn sich die Indie-Rock-Liebhaber um den Vertrieb kümmerten, die Helene Fischer-Fraktion geschlossen die Abrechnung machte und alle Elektro-Freunde in der Marketing-Abteilung untergebracht würden. Solange Deezer allerdings keine stichfeste Studie aus dem Hut zaubert, die einen Zusammenhang zwischen Musikgeschmack und fachlicher Qualifikation nahelegt, dürften Arbeitgeber vor derlei Überlegungen wohl Abstand nehmen.

          Womöglich würde eine musikalisch motivierte Umstrukturierung das Problem aber auch gar nicht aus der Welt schaffen. Denn Deezer zufolge hören 83 Prozent der Deutschen am liebsten ihren Lieblingssong in Dauerschleife. Und auf ein einziges Lied können sich schon zwei Leute bekanntlich kaum einigen, wie soll das bitte in einem Großraumbüro gelingen? Letztlich bleibt dem leidgeprüften Musikliebhaber eigentlich nur eines: Schweigen, den Sitznachbarn freundlich anlächeln und innerlich schöne Verse der Hamburger Indie-Veteranen Kettcar vor sich hin singen. Zum Beispiel den: „Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser.“

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

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