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Kolumne „Nine to five“ : Kampf dem Drucker!

Die Menschen steuern Raumschiffe zum Mond, aber Drucker haben sie immer noch nicht gefügig gemacht. Bild: dpa

Warum können Ingenieure eigentlich Apparate erfinden, mit denen man ins Weltall fliegen kann, nicht aber einen Drucker, der fünf Tage in der Woche unaufgeregt seine Arbeit verrichtet?

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          Der Ton ist schrill. Extrem schrill. Geht durch Mark und Bein. Das ist volle Absicht. Denn der Drucker hat auch schon zu früher Stunde unaufschiebbare Anliegen: „Toner auswechseln“, „Kassette 3 leer, bitte auffüllen“, „Einmal aus- und wieder anschalten“. Die Maschine erinnert an eine Kreuzung aus Haustier und Tamagotchi: viele Forderungen und extrem einseitige Kommunikation. Es ging doch nur um ein klitzekleines Word-Dokument. Und jetzt vergeuden wir unsere wertvolle Zeit wieder einmal in diesem kleinen, völlig überhitzten Druckerzimmerchen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Warum können Ingenieure eigentlich Apparate erfinden, mit denen man ins Weltall fliegen oder menschliche Körperteile nachbauen kann, nicht aber einen Drucker, der fünf Tage in der Woche unaufgeregt seine Arbeit verrichtet? Haben uns nicht kluge Trendforscher schon Ende des vergangenen Jahrhunderts prophezeit, dass wir als digitale Avantgarde bald im „papierlosen Büro“ sitzen werden? Warum fummeln wir dann schon wieder entnervt an dem Gerät rum und kriegen schwarze Finger? Warum schikaniert uns dieser Drucker immer noch?

          Ganz einfach: weil er es kann. Nicht alles, was technisch machbar ist, setzt sich am Ende auch durch. Ob etwa gerade die Deutschen in Zukunft auf die vermeintlichen Vorzüge des fahrerlosen Autos begeistert abfahren werden, steht ebenso in den Sternen wie das schon so häufig vorhergesagte Aus des auf Buch- und Zeitungspapier gedruckten Wortes, womit wir wieder beim Drucker wären.

          Dieser ungehobelte Klotz wird noch eine ganze Weile das Erscheinungsbild deutscher Bürowelten prägen, seine Nutzer geistig und körperlich auf Trab halten und für hochemotionale Begegnungen sorgen, spätestens wenn der Wartungsmonteur kommt. Es piept schon wieder. Möge die nächste Runde im Kampf zwischen Mensch und Maschine beginnen.

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