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Hygiene-Regeln im Büro : Aber bitte ohne Rückstände

  • -Aktualisiert am

Im Büro gelten in Corona-Zeiten verschiedene Hygiene-Regeln. Bild: dpa

Nach langer Zeit im Homeoffice zurück ins Büro – da kommt bei manchem Freude auf. Wer sich dort aber um die Hygiene-Regeln kümmern soll, kann schon mal verzweifeln.

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          Eigentlich hatte sich Herr D. sehr darauf gefreut, nach so vielen Wochen im Homeoffice wieder ins Büro zurückzukehren. Er liebte Rituale – das Packen seines Büro-Rucksacks, der Kaffee im To-go-Becher, die Ruhe in seinen vier Bürowänden, wo kein Kind schrie und kein Abwasch wartete. Schon die Vorbereitungen zur Rückkehr in die Präsenz-Arbeit beging Herr D. mit großer Freude. Sein Unternehmen hatte ihn in eine Kommission berufen, die sich um Hygiene-Regeln kümmern sollte: Mundschutz verteilen, Arbeitsplätze im Großraum umstellen, so dass Abstände gewahrt wurden, Desinfektionsmittel bereitstellen. Es gab viel zu tun.

          Ernüchterung stellt sich ein

          Herr D. beschloss, dass auf die Vielzahl an hygienischen Vorgaben dringend mit einer Reihe von Schildern hingewiesen werden sollte. Eines auf jeder Toilette, um das richtige Händewaschen zu erklären. Zweimal im Geiste „Happy Birthday“ singen – so lange dauere gutes Einseifen, hatte er gelesen, und diese Weisheit wollte er mit seinen Kollegen teilen. Ein Schild in jedem Aufzug, dass dieser nur von maximal zwei Personen zu benutzen sei. Und ab und zu Schilder auf den Fluren, die an das Tragen des Mundschutzes erinnern sollten.

          Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Alltagsmasken für die Mitarbeiter – in so großer Zahl seien die heutzutage nicht mal eben zu bekommen, hörte er von den Anbietern, die er durchtelefonierte. Vielleicht könne er hausintern welche nähen lassen? Die Arbeitsplätze umstellen? „Wie hatten Sie sich das mit der Verkabelung vorgestellt?“, fragte ihn empört einer der Hausmeister. „Vergessen Sie Ihren Raumplan! Dort haben wir keine Steckdosen.“

          „Rückstandslos wieder entfernbar“

          Resigniert machte sich Herr D. ans Design der Schilder, als eine E-Mail aufploppte. Der Büro-Vermieter. Keinesfalls sei es möglich, individuelle Schilder in den Fahrstühlen anzubringen, schließlich würden diese von mehreren Unternehmen benutzt. Was Schilder auf den Fluren oder in den Toiletten betreffe: Diese müssten „rückstandslos wieder entfernbar“ sein. Dies sei vorab zu prüfen und plausibel darzulegen.

          Herr D. seufzte und legte die Füße hoch, an denen er – man gönnt sich ja sonst nichts im Homeoffice – keine Socken trug. Dieser unverschämte Vermieter wollte wohl lieber kranke Mitarbeiter als „Rückstände“ an seinen Wänden. Irgendwo hatte er gelesen, dass es jetzt im Trend lag, durch mehr Homeoffice Büromieten einzusparen. Und mit einem Mal glaubte er zu verstehen, warum.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren einmal in der Woche über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschullebens.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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