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Kolumne „Nine to Five“ : Her mit dem Koffein!

Kaffee dringend gesucht! Bild: Rüchel, Dieter

Schneider stand seit einer halben Ewigkeit in der Kaffeeschlange an. Wie sollte er ohne Koffein seinen Vortrag überleben? Doch dann kam alles noch schlimmer.

          1 Min.

          Schneider seufzte. Seit einer gefühlten halben Stunde stand er nun in der Kaffeeschlange an und war nur ein paar Zentimeter vorgerückt. In zehn Minuten begann sein Vortrag auf der internationalen Prioritätenkonferenz. Nicht nur war Schneider mal wieder äußerst dürftig vorbereitet - er hatte auch noch schlecht geschlafen. Seine kleine Tochter hatte mal wieder Schnupfen und ihn deshalb die halbe Nacht wach gehalten. Er brauchte jetzt einen Kaffee. Dringend!

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ein Raunen ging durch die Schlange. In der oberen Etage gebe es angeblich noch einen Kaffeeautomaten mit Pads. Dort gehe es schneller, und der Kaffee schmecke sogar besser als das übliche halbwarme Filtergebräu, das es sonst so auf Tagungen gibt. Sogar von Keksen und Häppchen war gerüchteweise die Rede. Schneider überlegte nicht lange, stürmte die Treppe nach oben und erreichte tatsächlich als Erster den besagten Kaffeepadautomaten. Jemand hatte ein kleines Papierschild mit Tesafilm drangeklebt: „Defekt“.

          Schneider wollte schon fluchen, als sein Kollege Frisch die Treppe hinaufkam und ihm ins Ohr raunte: „Sagen Sie es nicht weiter, aber ich habe gehört, dass es auf der zweiten Etage noch eine Kaffeemaschine mit Kapseln gibt. Da darf eigentlich nur die Belegschaft dran, aber ich könnte Ihnen zeigen, wo sie ist.“ Wie Diebe schlichen Schneider und Frisch auf leisen Sohlen eine weitere Treppe nach oben, einen langen Flur entlang bis in die Küche. Tatsächlich - ein Kaffeeautomat!

          Schneider schnappte sich in Windeseile eine der bunten, runden Aluminiumkapseln und wähnte sich am Ziel. „Fortissimo“ stand auf der Packung und ein Zeichen dafür, dass es sich bei dem Inhalt um eine besonders starke Kaffeesorte handelte. Genau das Richtige jetzt. Aber ach! Gehörte die abgeflachte Seite der Kapsel nach vorn oder nach hinten? Und wo füllte man eigentlich Wasser in solch eine Maschine? Noch zwei Minuten bis zu seinem Vortrag. Schneider wurde hektisch, ruckelte von allen Seiten an dem kleinen Gerät. Auf einmal löste sich etwas im hinteren Teil der Maschine, Schneider drehte die Hand, und ein halber Liter Wasser ergoss sich über seinen Jackettärmel.

          Davon endlich erwachte er. Was für ein Albtraum! Doch jetzt wehte ihm ein angenehmer Duft um die Nase. Seine Frau hatte schon Kaffee gekocht.

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