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Kolumne „Nine to five“ : Her mit dem Feminismus!

Ganz so lang ist das noch nicht her: Der Fächer wurde 1914 bei einer Demonstration für Frauenrechte in Paris verteilt und verschaffte den Suffragetten Kühlung in hitzigen Diskussionen. Bild: Ville de Paris, Bibliothèque Marguerite Durand

Blöde Sprüche oder unpassende Blicke Frauen gegenüber lassen manche Kollegen kalt. Aber in einem Fall werden sie zum Frauenversteher und Frauenverteidiger.

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          Die Frauenquote – lassen Sie uns darüber reden. Gar nicht so verkehrt. Equal Pay Day: Wie sieht das bei uns im Unternehmen aus? Und haben wir Bewerbungen für den Girls Day? Nicht, dass Herr M. diese für ihn bislang ganz und gar erstaunlichen Bemerkungen in einem Atemzug gemacht hätte. Aber seit einiger Zeit lässt er durchblicken, dass er Gleichberechtigung gut findet.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nicht mal gezuckt hat er, als sich die neue junge Kollegin mit ihrem Prädikatsabschluss vorstellte und in großer Runde schloss: „Und ich bin Feministin!“ Recht so, signalisierte Herr M. mit freundlichem Nicken, während seine Kollegen alarmiert schauten. Ach Gott, was für eine überspannte Ökotussi, so eine linke Frauenrechtlerin! Fällt das Signalwort „Feministin“, schrecken auch die Ermatteten hoch. Zehn Buchstaben, und alle sind hellwach. Früher wäre Herr M. einer der ersten Empörten gewesen und hätte der jungen Frau klargemacht, dass das hier keinen interessiert, ob sie feministisch, vegan oder frugal unterwegs ist. Doch Herr M. hat der Machowelt den Rücken gekehrt.

          Wie es dazu kam? Aus eigener Betroffenheit. Seine Frau hat sich an der gläsernen Decke Beulen geholt. Seine Tochter war wie vor den Kopf gestoßen, als in der Schlussrunde zur Traumstelle ein schlechter qualifizierter Mitbewerber an ihr vorbeizog. Der werde halt nicht schwanger, entschwinde höchstens kurz in die Elternzeit, hat ihr die Sekretärin zugeraunt. „So was geht gar nicht“, schimpft Herr M. Werden die Lieblingsmenschen ausgebremst, ist Schluss mit lustig. Noch auffälliger ist die Läuterung beim Kollegen der Nachbarabteilung. Der stierte in jeden Ausschnitt, schnalzte und scharwenzelte und verlachte die Gleichstellungsbeauftragte. Seit aber seine attraktive Tochter das Teenageralter erreicht hat, fährt er eine Nulltoleranzpolitik. Sexistisches Ge­schwätz findet er „einfach nur ekelhaft“.

          In der Kolumne Nine to five schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule.

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