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Kolumne „Nine to five“ : Gönnen können

Im Sport üblich, anderswo weniger: Die Teamkollegen gönnen dem Mitspieler das Tor. Bild: dpa

Der andere hat ein gehaltvolleres Referat gehalten oder kann die beeindruckendere Bilanz vorzeigen? Persönlich mag das schmerzen, daran zu rütteln gibt es nichts. Bloß warum fällt es uns so schwer, das zuzugeben?

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          Die Sache ist simpel: Der andere ist besser gewesen. Er oder sie haben eindeutig die überzeugendere Leistung abgeliefert. Das Referat war gehaltvoller, die Bilanz beeindruckender, das Plädoyer durchdachter, die Kolumne origineller. Persönlich mag das schmerzen, daran zu rütteln gibt es nichts.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          So etwas zuzugeben fällt vielen Menschen schwer, leider auch schlechten Chefs. Da wird relativiert, intrigiert, geleugnet und heruntergeputzt oder – fast noch hinterhältiger – komplett ignoriert. So mancher liefert hervorragende Leistung ab in der Disziplin des Nicht-gönnen-Könnens.

          Neu ist das Phänomen nicht, wie ein Blick in die wunderbare Welt der schönen Künste zeigt. „Ich kann Gauguins Malerei nicht ertragen. Seine Bretoninnen sehen so blutarm aus“, lästert Renoir. Picasso nennt van Gogh einen „sentimentalen Straßenjungen“, und die große Käthe Kollwitz macht sich klein, wenn sie äußert: „Matisse ist Mode, sonst nichts.“ Literaten halten missgünstig mit. Im Kollegenschelten-Band „Dichter beschimpfen Dichter“ wimmelt es nur so von Sottisen wie „Spatzenhirn“ und „Wortdurchfall“, gemeint ist übrigens James Joyce. Und – nicht zu vergessen – schon Brutus urteilte über Cicero: „Seine Eloquenz ist lendenlahm und brüchig.“ Das Schlachtfeld der Bosheit zeigt: Nicht alle großen Geister taugen menschlich zum Vorbild. Komisch, welches Genie das andere Genie verkennt.

          Ehrlich zu sein ist ein erster Schritt

          Neid einzugestehen ist ein erster Schritt. Oder ehrlich zu sein, so wie Angelo Kelly von der Kelly Family, der zugab, beim Stromern durch Elektromärkte seine CDs vor die seiner Geschwister zu plazieren oder deren Konkurrenztitel in den Hörspielen zu versenken. Die zweifelhafte Aktion brachte ihm übrigens viel Presse ein.

          Gemeinsam stark zu sein, darauf setzen kongeniale Schüler-Duos: Mathe-As neben Sprachbegabung, das ergab effizientes Teamwork bei Klausuren. Ein paar Fehler wurden extra eingebaut, damit die wundersamen Endergebnisse glaubhaft erschienen. Auf der Abifeier entzauberte ein Lehrer den Schwindel der Spitzenteams: „Dass ihr wie die Weltmeister pfuscht, wussten alle im Kollegium. War uns aber egal und lieber als Petzereien.“

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