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Kolumne „Nine to five“ : Gehört Merkel ins Büro?

  • -Aktualisiert am

Nachdem die CDU im Saarland erfolgreich war, ist auch Merkel obenauf. Aber sollte man im Büro darüber reden? Bild: dpa

Der Kollege ist Merkel-Mann, basta. Und alle im Büro wissen das. Aber gehört sich das eigentlich? Am Arbeitsplatz offen über Politik zu reden?

          1 Min.

          Es gibt da diesen Kollegen, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist Merkel-Mann, basta. Vermutlich kein CDU-Parteimitglied, aber er weiß so oder so, wen er bei der Bundestagswahl am 24. September wählen wird. Und alle anderen wissen es auch. Denn er bekennt sich, unverkrampft, offensiv, je nach Gesprächssituation. Kein verdruckstes Über-Politik-redet-man-doch-Nicht, keine aufgesetzte Überparteilichkeit, sondern ganz gerade heraus: Die Kanzlerin ist persönliche Favoritin, Schulz-Hype hin oder her. Wer denn sonst?

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Frage führt zur nächsten. Nämlich wie politisch es am Arbeitsplatz zugehen darf, wie offen man über Politik reden oder sogar die eigene Wahlentscheidung mitteilen sollte. Klar, raushalten geht immer. Das erspart eine ganz Menge: Diskussionen, Meinungsbildung, Nachdenken überhaupt. Aber es gibt ja schon so wahnsinnig viel, worüber eigentlich nicht gesprochen werden soll: Geld, vor allem das eigene Gehalt, Religion, Krankheiten, Sex sowieso. Aber was bleibt dann noch, außer dem Wetter, dem nächsten Urlaub oder der Fußball-Bundesliga?

          Keiner muss sein Recht auf Meinungsäußerung beim Pförtner abgeben

          Es spricht viel dafür, den Arbeitsplatz nicht zwanghaft zu entpolitisieren, sondern Farbe zu bekennen. Zumal keiner sein Recht auf freie Meinungsäußerung beim Pförtner abgeben muss. Sind Betriebsablauf und Betriebsfrieden nicht in Gefahr, darf munter debattiert werden. Von Agitprop ist ja keine Rede. Es sollte allerdings jedem klar sein, dass schon die kleine Politik große Probleme aufwerfen kann. Ein kommunalpolitischer Austausch über die Frage, wie viele zusätzliche Fahrradwege die eigene Stadt braucht und ob es nicht besser Einschränkungen für Autos in der Innenstadt geben sollte, kann die Arbeitsatmosphäre belasten. Denn es droht Lagerbildung. Kaum auszumalen, was passiert, wenn Kollegen ihre Mitgliedschaft in der AfD beichten, sich als überzeugte Nichtwähler outen oder den Austritt Deutschlands aus der EU befürworten. Die Gräben, die sich hier auftun, wieder zuzuschütten würde einiges an (Arbeits-)Zeit kosten.

          Also doch: Mund halten, den politischen Blick nach innen wenden, undurchschaubar bleiben?

          Pure Theorie. Spätestens wenn der Kollege mit dem Kanzlerinnen-Faible um die Ecke kommt, ist’s aus mit der Polit-Abstinenz. Wer könnte sich seinem heiteren „Wie halten Sie es denn mit Frau Merkel?“ verweigern? Da bleibt keine Wahl. Und das ist auch gut so.

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