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Nine to Five : Für 2,80 Euro gut unterhalten

Stadtpendler auf einem Bahnsteig in München Bild: dpa

So eine S-Bahn-Fahrt, die ist lustig. Zum Beispiel in der S 3 vom Münchener Ostbahnhof zum Marienplatz.

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          So eine S-Bahn-Fahrt, die ist lustig. Zum Beispiel in der S 3 vom Münchener Ostbahnhof zum Marienplatz. Eine vielgenutzte Route auf der Stammstrecke. Es gibt auch im Tunnel viel zu sehen und zu hören, wenngleich gefühlte drei Viertel der Fahrgäste verkabelt sind, unter Suppenkellengroßen Kopfhörern versinken, auf ihr Smartphone starren, dessen Tastatur bearbeiten – auch die Wurstfingrigen in beachtlichem Tempo.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Drei Infineon-Mitarbeiter verlieren sich in einer Fachdiskussion über „embedded Systems“ und „predictive Maintenance“, an der vorausschauenden Wartung hapert’s offenbar, dann steigt der lauschende Laie aus.

          Plauderfreudig auf der Nachbarbank

          Zwei Schülerinnen sitzen einträchtig nebeneinander, vor sich je einen Schnellhefter und vertieft in „Die Entstehung der Demokratie“. Ihren ernsten Mienen nach zu urteilen, scheint diese Staatsform anstrengend zu sein und duldet keine kritische Diskussion.

          Plauderfreudig sind hingegen zwei junge Frauen auf der Nachbarbank; bald wissen alle, dass sie demnächst Notarfachangestellte sind, mit der Diskretion haben sie es indes nicht so. „Plötzlich war mein Display blau“, kichert die eine. „,Das Handy hat wohl zu viel getrunken!‘, hat mein Chef gesagt.“ Die Mädels gackern los. Ja, vergnüglich scheint das Juristenleben.

          Interkultureller Super-GAU auf der Schnellfahrt

          Geräuschvoll trompetet ein Vierzigjähriger in sein durchweichtes Taschentuch. Das sieht nicht schön aus und hört sich noch hässlicher an. Ihm gegenüber sitzt ein Asiate. Ausgerechnet. Lediglich ein leichtes Flackern seiner Lider verrät den interkulturellen Super-GAU, der sich vor ihm ereignet. Gilt Naseputzen in seiner Heimat nicht als ähnlich tabuisiert wie bei uns das Schmatzen und Spucken?

          An der Tür klebt ein Mann mit sächsischem Akzent. Er ist Firmenfahrer und unterhält seine Kollegin aufs Prächtigste mit einem Fahrbericht über einen fahruntüchtigen Kunden, der, „ohne zu gucken, vom Hof bretterte, wir mussten voll in die Eisen steigen“, um den Beinah-Unfall zu verhindern. Der Mann erzählt temporeich, dramatische Wendungen nicht scheuend. Seine Zuhörer zittern förmlich mit. Leider folgt keine Fortsetzung. Die zwei steigen aus.

          Dafür steigt eine ältere Dame ein, die auf eine Bekannte trifft. Lange nicht gesehen. Stolz bringt die grauhaarige Frau die andere auf den neuesten Stand: „Ich bin jetzt dreimal in der Woche in der Grundschule als Lese-Oma für die ausländischen Kinder. Ich lerne denen Deutsch.“ Erschrocken blicken nicht nur die Abiturientinnen auf.

          Ein prachtvolles Unterhaltungsprogramm für 2, 80 Euro. Zum Zeitungslesen kommt man gar nicht mehr.

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