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Kolumne „Nine to five“ : Energiesparen im Büro

  • -Aktualisiert am

In Büros gibt es viel Einsparpotential. Bild: dpa

Früher wurde viel getuschelt und gelästert über den Kollegen, der immer abends im Großraumbüro alle Lichter und Bildschirme ausschaltet. Heute gilt er als Vorbild. Die Büro-Kolumne „Nine to five“.

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          Sein Image war nicht das beste. Genervtes Getuschel, hochgezogene Augenbrauen: Ach, der schon wieder mit seinem kleinkarierten, verschrobenen Ökotick, der Stromfaster, Kaltduscher, Kochkistenfan, Sparbrötchen auf zwei Beinen. Der tummelt sich wohl im Geizkragen-Forum mit all den Korinthenkackertipps. Herr S. achtet auf Ressourcenverbrauch. Er druckt nur aus, was er tatsächlich schwarz auf weiß in den Händen halten muss, macht Notizen auch auf den Rückseiten der Blätter. Wenn er sich eine Denkpause genehmigt, ruht der Kopf, die Hände angeln in Papierkörben nach den weggeworfenen Blättern der anderen. Herr S. schneidet sich daraus Notizzettel, statt sich großzügig im Schrank mit dem nie versiegenden Büromaterial zu bedienen.

          Das trug ihm Spott, Hohn und derbe Vergleiche ein: „Solche Zettel hortete meine Uroma auf dem Plumpsklo!“, ätzte ein junger Kollege mal hinter vorgehaltener Hand. Einer Hand, die gerne den Wegwerfbecher aus dem hippen Kaffeeladen hält, der es auch anno 2022 nicht schafft, auf ein Pfandsystem umzuschwenken. Herr S. bleibt stoisch. Er schaltet die Klimaanlage im Einzelbüro aus und sein Hirn ein, wie er zu sagen pflegt. In so einer Bemerkung erschöpft sich sein missionarischer Eifer.

          All die Tipps, die seit Neuestem ventilieren, hat er längst verinnerlicht. Zur Arbeit fährt er mit dem Rad, nur bei Starkregen nimmt er das Auto. Und nein, er kommt nicht aus Schwaben, sondern aus der kargen Nordeifel, wo man weiß, dass Kleinvieh auch Mist macht. Abends dreht er die Schlussrunde durchs Großraumbüro, prüft den Stand-by-Modus, schaltet die Geräte richtig aus und löscht die Lichter. Und wird so im Hitze-Sommer mit Gaskrise zum leuchtenden Beispiel. „Herr S. ist ein Vorbild“, sagt sein Vorgesetzter in einem Vortrag vor großer Runde. Von ihm könnten „wir uns alle eine Scheibe abschneiden“. Die Kollegen nicken beifällig. Auch der ganz junge, der sich anderntags mit Bambusbecher präsentiert. Angeblich, weil ihm das Design gut gefällt.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

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