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Kolumne „Nine to five“ : Diebe auf Dienstreise

  • -Aktualisiert am

Unkreativ: Deutsche Diebe lassen Hotelbademäntel mitgehen. Bild: AFP

Gäste in Fünfsternehotels lassen aus dem Hotelzimmer nicht einfach nur Kleiderbügel und Handtücher mitgehen. Nein, sogar die Badarmaturen wurden schon abgeschraubt. Und es geht noch skurriler!

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          Je reicher, desto raffgieriger. Gäste in Fünfsternehotels lassen aus dem Hotelzimmer nicht einfach nur Kleiderbügel und Handtücher mitgehen. Sie schöpfen aus dem Vollen, als gehöre ihnen die Welt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Kunstgemälde aus dem Zimmer in ihrem Koffer verschwinden lassen, ist mehr als viermal höher, als selbige unter den Gästen in einfachen Viersternehotels. Achtmal so wahrscheinlich ist es, dass Luxushotelgäste einen Tablet-Computer aus dem Hotelinventar einsacken, und sogar neunmal so wahrscheinlich, dass sie beim Anblick eines edlen Fernsehgeräts nicht widerstehen können.

          Gern genommen wird von dieser Klientel auch die Kaffeemaschine oder das Silbergeschirr. So viel zum moralischen Zustand der vermögenden Oberschichten (jener Eliten, die ihren Mitarbeitern aus der unteren Etage den Prozess machen, wenn sie unerlaubterweise eine Frikadelle vom Buffet des Vortags essen). Die Angaben stammen von den Hoteliers, die anonymisiert ihre Häkchen hinter die Fragen setzten. Mehr als neunhundert nahmen an der Umfrage eines Anbieters mit dem Namen „Wellness Heaven“ teil. Nicht oft, aber dennoch geschah es demnach, dass sogenannte Hotelgäste die Badarmaturen abschraubten oder einen Toilettensitz demontierten, weil er bequemer schien als der häusliche.

          Deutsche Touristen - eher langweilig!

          Der deutsche Gast neigt auch als Dieb zur Phantasie- und Geschmacklosigkeit. Er folge einem „eher langweiligen Diebstahlverhalten“, heißt es in der Zusammenfassung der kleinen Studie. Der Deutsche klaut Duschgel und Bademäntel. Langweilig, aber humorvoller scheint die kleptomanische Aktivität der Holländer: Glühbirnen (sic!) und Toilettenpapier nahmen sie mit, ohne um Erlaubnis zu bitten. Italiener klauten Weingläser. Schweizer nahmen den Föhn. Österreicher stehlen Kaffeemaschinen.

          Man wundert sich nicht mehr über hohe Übernachtungspreise in Fünfsternehotels. Nur der Teppichboden, die Tapeten oder die Fenster wurden in den 937 untersuchten Hotels überhaupt noch nie gestohlen. Matratzen-Diebstähle zählten nach den Angaben der Hoteliers schon in nur zwei der Häuser zu den am häufigsten geklauten Objekten. Fernsehgeräte verschwanden doppelt so häufig. Kunstwerke rangieren noch vor Fernbedienungen, Lampen, Telefonen, Geschirr und Kissen.

          Als skurrilster Diebstahl aus einem Hotelzimmer gilt dieses Vorkommnis aus Italien: Der Hotelier konnte nur noch zusehen, wie drei Männer ein Klavier aus der Lobby trugen. Das war ein Klaviersdelikt.

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