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Kolumne „Nine to five“ : Chef mit Speck

  • -Aktualisiert am

Auch okay: Man muss nicht unbedingt gertenschlank sein, um ein guter Chef zu sein. Bild: Picture-Alliance

Angeblich können Chefs ganze Belegschaften zu gesünderem Leben animieren. Allerdings sollten die Erwartungen nicht in den Himmel schießen. Ein paar Thesen wider den Gesundheitswahn.

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          Du liebe Güte, zwei Jahre ist es jetzt her, dass der BMW-Chef Harald Krüger auf offener Bühne kollabierte. Und noch immer ist es nicht vorbei mit den Anspielungen. Er sei von einer „Auftrittsschwäche“ geplagt, hieß es zum Beispiel vor der Hauptversammlung des bayerischen Autoherstellers am Donnerstag – kombiniert mit pseudobesorgten Anspielungen, ob denn diesmal alles glattgehe mit dem Auftritt vor großem Publikum. Anders als auf der Automesse in Frankfurt 2015, auf der Krüger der Kreislauf weggesackt war. Weil offenbar typische Ursachen dahintersteckten – Stress, Anspannung, Hitze, Übermüdung oder der Anflug einer Krankheit – und nichts Schlimmeres, ließe sich der kleine Fauxpas mit einer kurzen Frage abhaken: Kann passieren, was soll’s? Aber dann gäbe es natürlich keinen Anlass mehr, einen so irre komischen Schenkelklopfer wie „Auftrittsschwäche“ aus dem Fundus zu kramen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angeblich können Chefs ganze Belegschaften zu gesünderem Leben animieren, wenn sie mit gutem Beispiel vorangehen. Allerdings sollten die Erwartungen nicht in den Himmel schießen. Ein paar Thesen wider den Gesundheitswahn in Chefetagen: Autorität definiert sich nicht über die Existenz eines Waschbrettbauchs; überzeugend kann auch derjenige sein, der auf ein Abonnement im Fitnessclub verzichtet und den Unterschied zwischen Pilates und Power-Yoga nicht kennt; und regelmäßige Spiele in Fußball- oder Volleyball-Mannschaften garantieren noch keine Teamfähigkeit im Büro. Vorgesetzte dürfen gerne sportlich sein, aber sie müssen nicht. Kurzum, Chef mit Speck ist auch okay, wenn der Rest passt. Es ist sogar so, dass Führungskräfte mit einer gewissen Besessenheit beim Thema Gesundheit und Vorsorge einiges Porzellan zerschlagen können.

          Missionarischer Eifer

          Dazu bietet sich ein Beispiel aus dem Sport an: Im Profifußball gibt es immer wieder Trainer, die ihre Spieler mit geradezu missionarischem Eifer nerven und damit die Zusammenarbeit erschweren. Da werden minutiöse Vorschriften zur Ernährung gemacht, überall Obstkörbe verteilt und die Schlafgewohnheiten hinterfragt. Auf dass bei den – ohnehin sehr sportlichen – Angestellten Vitaminzufuhr und Ruhephasen nicht zu kurz kommen.

          Auch Thomas Tuchel vom Bundesligaklub Borussia Dortmund, gilt als etwas pedantisch in dieser Hinsicht. Das verheißt nichts Gutes für den Cheftrainer, der selbst schlank wie eine Fahrradspeiche ist: Die baldige Trennung soll beschlossene Sache sein.

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