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Kolumne „Nine to five“ : Big Brother fürs Gehirn

Aufmerksam im Unterricht: Diese Kinder schaffen das gerade ganz ohne technisches Hilfsmittel. Bild: dpa

Mit einem Stirnband überwachen, ob Schüler gerade aufmerksam sind oder im Unterricht vor sich hin träumen? Geht angeblich schon heute und wurde angeblich auch schon in China getestet. Wo soll das noch hinführen?

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          Kennen Sie das: Sie sitzen im Büro an einer Aufgabe, aber so richtig in den Arbeitsfluss kommen Sie nicht. Hier ploppt eine E-Mail auf, da kommt ein Kollege ins Büro geplatzt. Zwischendurch schweifen die Gedanken ab zum Tennismatch gestern Abend. Wie schön wäre es doch, sich einfach mal bedingungslos auf eine Sache zu konzentrieren. Nicht fünf Dinge parallel zu tun, sondern konsequent diese eine Aufgabe. Und erst anschließend die nächste. Und Tennis: gern nach Feierabend.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Abhilfe verheißt ein neues digitales Helferlein: Ein amerikanisches Unternehmen namens Brainco will, glaubt man seiner Website, ein EEG-Stirnband entwickelt haben, das direkt am Kopf des Benutzers in Echtzeit messen kann, wie konzentriert er ist. Wie genau das funktioniert und wie sehr man sich darauf verlassen kann, geht aus den Angaben nicht eindeutig hervor. Trotzdem: Klingt ein bisschen unheimlich.

          Es geht aber noch unheimlicher: Angeblich, so berichtet es jedenfalls die Zeitschrift „New Scientist“, wurde das Stirnband schon versuchsweise in chinesischen Schulen eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der Schüler im Klassenzimmer zu messen. Die angeblichen Aufmerksamkeitswerte jedes Einzelnen sollen die Lehrer an farbigen Lichtern direkt an den Stirnbändern erkennen können. Schwätzen, Träumen, Abschweifen im Unterricht? Das war einmal! Übrigens bietet Brainco praktischerweise auch noch Computerspiele zum Verkauf an, die die Konzentrationsfähigkeit von Schülern erhöhen sollen – sozusagen ein Lehrer-rundum-sorglos-Paket.

          Und wer es ganz futuristisch weiterdenkt, der sieht schon die Bürotäter künftig blinkende Stirnbänder an den Köpfen tragen, während sie am Computer ihrem Tagewerk nachgehen. Grünes Licht für die fleißigen Bienchen, gelbes für die Zwischendurch-E-Mail-Checker, rotes für die Ans-Tennisspiel-Denker. Die Einführung in Unternehmen würden in Deutschland Betriebsräte verhindern? Möglich. Aber: Fitnessarmbänder tragen wir doch auch schon heute ganz freiwillig.

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