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Kolumne „Nine to five“ : Beruflich deformiert

  • -Aktualisiert am

Ohne Wasserwaage hängt der Architekt auch zu Hause kein Bild auf. Bild: Wonge Bergmann

Die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, ist voll im Trend. Dabei fällt es den allermeisten so unglaublich schwer, Berufliches von Privatem zu trennen.

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          Berufliches von Privatem zu trennen ist nicht jedem gegeben. Vielmehr scheint mancher die Eigenarten seiner Profession auch außerhalb der Arbeitszeit nicht ablegen zu können. Davon zeugen zahlreiche Beispiele aus dem Familien-, Freundes- und Kollegenkreis. Beim Bezug der ersten gemeinsamen Wohnung mit dem Lebenspartner ist es beispielsweise nicht möglich, ein Bild oder Regal aufzuhängen, ohne dass der studierte Architekt Wasserwaage oder Senkblei zückt. Und erst wenn er sichergehen kann, dass auch wirklich alles im Lot ist, zum Bohrer greift.

          Eine Freundin wiederum lebt seit einem halben Jahr ohne Vorhänge in der neuen Bleibe, da die bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus erworbene Standardware gekürzt werden muss. Ihre Mutter, eine gelernte Schneiderin, weigert sich jedoch standhaft, diese abzuliefern, bevor alle Säume sauber gearbeitet sind. Das erweist sich bei dem durch Billigproduktion bedingten ungeraden Fadenverlauf jedoch bislang als schier unmöglich.

          Warten auf den perfekten Flügelschlag des Schmetterlings

          Die Freundin, eine studierte Theaterwissenschaftlerin, ist wiederum nicht in der Lage, ihre Urlaubsberichte ohne gewisse dramaturgische Effekte abzuliefern. Da werden die Kakerlaken im Hostel in Bangkok plötzlich handtellergroß, obwohl sie vom eigenen Besuch eher in Erbsengröße in Erinnerung geblieben sind. Getreu dem Motto: „Willst du eine gute Geschichte hören – oder eine wahre?“ Wobei es eigentlich recht verwunderlich ist, dass die Dramaturgin den Rückflug nicht verpasst hat. Ihr Freund ist Fotograf und bleibt auf gemeinsamen Ausflügen immer weit zurück. Denn selbst im Urlaub wartet er bei jedem Motiv auf das perfekte Licht und ruht nicht eher, bis er die optimale Verschlusszeit für den Flügelschlag des Schmetterlings gefunden hat.

          Manische Perfektion lässt auch den Haussegen des Cousins gelegentlich schief hängen. Seine Frau ist Chirurgin und besteht auch in der Küche beim Parieren des Rinderbratens stets auf einer makellos sterilen Operations-, pardon, Arbeitsfläche. Sehr genau nimmt es auch der Vater einer Kollegin. Der eigentlich bereits pensionierte Grundschullehrer liest treu und mit großem Interesse all ihre Artikel – und zwar Korrektur. Nicht selten erhält sie nach deren Erscheinen eine E-Mail mit dem Wortlaut „sehr schönes Thema, gut geschrieben, allerdings habe ich im zweiten Satz des dritten Absatzes einen Rechtschreibfehler entdeckt“. Ein Glück, dass ihre Mutter nie Arbeit mit nach Hause genommen hat – die war nämlich Pathologin.

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