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Kolumne „Nine to five“ : Beförderung? Ja – mehr Geld? Nein

Blick auf hell erleuchte Büros in Frankfurt Bild: dpa

Vor allem Berufseinsteiger arbeiten oft auf Stellen, die besser klingen als sie sind. Vier Fälle der Ernüchterung.

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          Der junge Herr O. freute sich, als ihm nach Monaten der Wochenendarbeit gesagt wurde: Du bist befördert. Er fühlte sich geschmeichelt, als seine Chefin schrieb: So schnell hat hier vorher noch niemand gearbeitet.

          Sarah Obertreis
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Frau L. hatte auf unschönem Weg erfahren, dass ihr erster Arbeitsvertrag nicht verlängert werden würde. Egal. Nun hatte sie die Zusage für einen besseren Job mit gutem Gehalt und der Möglichkeit, zwei Wochen im Jahr mehr Urlaub zu nehmen.

          Herr F. wusste, dass seine allererste Arbeitsstelle nicht das Spannendste sein würde. Es hat einen Grund, dass „Stromberg“ in einem Versicherungsunternehmen spielt. Aber Herr F. ist nicht nur ein Party-Tier – er sucht auch Sicherheit. Ein Tarifsystem, was kann es in der freien Wirtschaft Sichereres geben?

          Frau A. war schon immer schnell am Computer. Viel schneller als die anderen Digital Natives. Kein Wunder, dass eine renommierte Firma sie als SAP-Managerin einstellte. Zunächst befristet – Frau A. ist ja noch jung.

          Sechs Monate später: Eine Beförderung, hat man Herrn O. gesagt, bedeute nicht gleich mehr Geld. Das werde erst nach einem weiteren Gespräch gezahlt. Termin unbekannt.

          Acht Monate später: Die Probezeit von Frau L. ist vorbei. Sie dachte, diese sei der Grund gewesen, dass sie nur 90 Prozent des vereinbarten Gehalts bekommt. Nein, das sei normal, heißt es. 100 Prozent käme einer Gehaltserhöhung gleich.

          Anderthalb Jahre später: Herr F. hat eine vierstellige Summe für eine Fortbildung gezahlt. Im Tarifsystem kann er trotzdem höchstens eine halbe Stufe aufsteigen. Ja, eine halbe Stufe.

          Drei Jahre später: Frau A. ist immer noch befristet. Dass das eigentlich nicht geht, so ganz ohne Grund, weiß sie. Warum es das internationale Unternehmen trotzdem machen kann? Gute Frage. So furchtbar jung fühlt sie sich seit ihrem 30. Geburtstag gar nicht mehr.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule.

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