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Kolumne „Nine to five“ : Balkan im Büro

Urlaubs-Vorfreude ist schön. Aber die Kollegen sollte man dabei nicht völlig vergessen! Bild: Reuters

Der Kollege ist im Urlaubs-Rausch und legt eine geradezu beängstigende Vorfreude an den Tag. Und was ist mit den Daheimgebliebenen?

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          Für den einen mag das die schönste Zeit des Jahres sein, für den Daheimgebliebenen ist es das genaue Gegenteil. Meier ist im Kroatien-Rausch. Bevor er endgültig in den Urlaub düst, legt er eine geradezu beängstigende Vorfreude an den Tag. Seine überbordende Ich-bin-dann-mal-weg-Laune überschattet unsere durchgetakteten Arbeitstage im abgedunkelten Büro. Meiers schwärmerische Stegreifreferate beginnen bei konstanten Traumtemperaturen und hören bei windschnittigen Segelbooten und kristallklarem Wasser noch lange nicht auf.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Seine Aussicht auf gepflegtes Nichtstun im pittoresken Luxusresort („Wellengang statt Handyempfang“) macht die Hinterbliebenen aggressiv. Sie haben nämlich jede Menge zu tun: Der vorfreudige Urlauber hat vorsorglich den Slow-Motion-Modus eingeschaltet, will es diesmal ruhig angehen und keinesfalls „abgehetzt am Flughafen hocken“. Innerlich hat er den Abflug längst hinter sich und kleidet sich von Tag zu Tag legerer. Besorgte Blicke, ob dringende Aufträge abgearbeitet seien, kontert er kühl: „Macht euch locker! Ist geregelt.“ Stationsübergaben seien was für Spießerstrukturen. Der Mann ist derart gechillt, uns macht das wild, so dass wir den Tag seiner Abreise herbeisehnen. Meier hat seine Arbeitszeit elastisch ausgelegt und ist nach der Pause entschwunden, sein Schreibtisch ist leergefegt. Das lässt hoffen.

          Das Postfach quillt über

          Am nächsten Morgen fragt der erste Premiumkunde unwirsch, wo die versprochene Kalkulation bleibe? Ihn pressiert’s. Es folgen Rückfragen, Nachfragen, Anfragen. Der Kollege, auf den Meiers Telefon umgeschaltet ist, meldet sich krank: Sommergrippe, befeuert von Vertretungsfrust. Eine Vertretung der Vertretung gibt es offiziell nicht. Der IT-Kollege spricht vor: Mit dem Abwesenheitsassistenten stimme etwas nicht, Meiers Postfach quelle über. Bei uns kocht die Wut hoch. Wir wurschteln uns mehr schlecht als recht durch Meiers ungeordnete Hinterlassenschaften, suchen Adressen, vertrösten Anrufer und verfluchen seine Nach-mir-die-Sintflut-Haltung.

          Gut erholt, kehrt Meier aus Kroatien zurück, schiebt die getönte Brille ins sonnengesträhnte Haar und säuselt wie der Adria-Wind: „Alles roger?“ Erst sind wir sprachlos, dann heben wir zur vielfach geprobten Hassrede an: So nicht! Mit uns läuft das nicht! Das ist unkollegial, unseriös, unsäglich! Meier reagiert schlau und nimmt uns den Wind aus den Segeln: Er entschuldigt sich und gelobt Besserung, um dann tiefenentspannt drei Flaschen edlen kroatischen Wein aus der Tasche zu angeln: „Auf euer Wohl. Seid ganz schön urlaubsreif!“Wir schlucken.

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