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Kolumne „Nine to five“ : Aufzug ins Ungewisse

Gut gewartet oder defekt? Eine Tüv-Studie über den Zustand von Fahrstühlen konnte so Manchem gehörig Angst einjagen. Bild: dpa

„Elevator Pitch“ - so heißen im Silicon Valley Events, bei denen junge Hipster reichen Möchtegernhipstern ihre Geschäftsideen im Aufzug verkaufen. Für Meier war das gar nichts! In seinen Augen glichen Aufzugfahrten einem Höllenritt.

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          Meier arbeitete im siebten Stock, und der Weg dorthin war ihm ein Graus. Die Treppe kam nicht in Frage. 98 Stufen! Er war nicht so der sportliche Typ. Der Aufzug musste es also sein. Doch der war riskant geworden. Seitdem Schmidt, sein Abteilungsleiter, sein neues Büro ebenfalls auf Stockwerk sieben hatte, lief er ständig Gefahr, ihm im Fahrstuhl direkt in die Arme zu laufen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Meier hatte davon gehört, dass sie im Silicon Valley mittlerweile extra Fahrstuhl-Events machten, sogenannte „Elevator Pitches“. Junge Hipster sollten reichen Möchtegernhipstern ihre Geschäftsideen im Aufzug verkaufen. Kurz und knapp und unter vier Augen. Aber für ihn - Gott bewahre! -, für ihn war das nichts. Im Gegenteil: Jede dieser Aufzugfahrten mit Schmidt erinnerte Meier an einen Höllenritt. „Na, wie läuft’s mit dem Mobility-Projekt?“, würde der Chef fragen, oder: „Wie groß war noch mal das Investitionsvolumen in Dubai?“ Meier musste dann immer schnell etwas aus dem Ärmel schütteln. Am Ende war er jedes Mal ebenso schweißgebadet, wie wenn er die 98 Stufen genommen hätte.

          Verschlissene Tragseile und nicht funktionierende Fangvorrichtungen

          Doch dann las Meier eines Morgens einen Bericht über diese Studie des TÜV. Demnach hatten mehr als die Hälfte der Aufzüge in Deutschland Mängel. Manche seien regelrecht gefährlich, weil Tragseile verschlissen seien oder Fangvorrichtungen nicht funktionierten. Kurz bekam Meier Angst, dann eine Idee. Als er das nächste Mal im Fahrstuhl auf Schmidt traf, begann Meier sogleich das Gespräch. Kurz und knapp erzählte er dem Chef von dem Bericht über die Aufzugmängel. „Ich habe da mal recherchiert“, sagte Meier. „Wussten Sie, dass es sogar schon Todesfälle gegeben hat?“ Schmidt wurde bleich. „Wirklich . . .?“, stammelte er.

          Am nächsten Morgen war Meier allein im Fahrstuhl. Leise summte er einen Radio-Ohrwurm vor sich hin. Als er ausstieg, spähte er Richtung Treppenhaus. Tatsächlich! Erst ein Keuchen, dann bog Schmidt um die Ecke und nahm die letzten Stufen. „Schönen guten Morgen“, sagte Meier, lächelte und verschwand in seinem Büro.

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