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Kolumne „Nine to five“ : Aufrüsten oder abrüsten?

Die Arbeitsbedingungen sind exzellent, aber der Ruf umstritten: Arbeiten in der Rüstungsbranche Bild: imago/Christian Ohde

Als Herr S. eine Stelle bei einem Rüstungskonzern angeboten bekommt, hat er Zweifel. Was würden Freunde und Familie sagen? Die Kolumne „Nine to five“.

          1 Min.

          Herr S. hatte sich lange Gedanken gemacht, bevor er die Stelle annahm. Viele Gedanken. Tiefgründige Gedanken. Herr S. ist politisch nicht besonders involviert. Seinen Twitter-Account füllt er mit für Laien nur schwer verständlichen Elek­trotechniker-Witzen. Ganz selten ist eine vorsichtige Spitze gegen die CDU oder ein zaghafter Hinweis auf die Vorteile des Radfahrens dabei. Aber als es darum ging, einen Job bei einem Rüstungskonzern anzunehmen, zögerte Herr S. dann doch. Andererseits: Es war ein seriöses Unternehmen, sein einst liebster Kollege war schon vor Jahren dorthin gewechselt, und einen besseren Arbeitgeber gab es weit und breit nicht. Herr S. wusste das genau, er hatte lange gesucht.

          Sarah Obertreis
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Er entschied sich schließlich dafür. Aber er schickte eine Nachricht an Freunde und Verwandte. Keine dritte Person sollte ihnen die Neuigkeiten überbringen – womöglich schon mit kritischen Einfärbungen. Herr S. wollte sich selbst erklären. „Wenn ihr euch mit mir freut: cool! Wenn nicht, habe ich auch Verständnis“, schrieb er über die neue Stelle. Die Antworten berührten ihn geradezu. Den neuen Job schien zwar kaum jemand toll zu finden, aber alle gratulierten sie Herrn S. Das sei ja schließlich seine Entscheidung, schrieben die Verwandten und Freunde, sie wollten sich da kein Urteil erlauben.

          Nun arbeitet Herr S. schon seit einem halben Jahr für das Unternehmen. Seine Skepsis ist nie verflogen, aber einen besseren Arbeitgeber hätte er sich tatsächlich nicht vorstellen können. „Die Kantine“, sagt Herr S. nun immer, wenn er von seinem Job erzählt, „ist fast Sterne-Niveau, die Arbeitszeiten wunderbar, die Bezahlung großzügig – so ist das nun mal, wenn man für einen Rüstungskonzern arbeitet.“

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