https://www.faz.net/-gyl-a3hl1

Kolumne „Nine to five“ : Selbst dem Ingenieur wird es auch mal zu schwer

  • -Aktualisiert am

Beim Zusammensetzen von Lego-Bausätzen kann es schon mal knifflig werden. Bild: dpa

Dem Maschinenbauer ist angeblich nichts zu schwer. Doch irgendwo hat die Fähigkeit zum Multitasking ihre Grenzen.

          1 Min.

          Als Maschinenbauingenieur war M. es gewohnt, Probleme kreativ zu lösen. Aber in der Firma war gerade die Hölle los. Drei Projekte gleichzeitig, dann noch der ewige Knatsch mit dem Chef, und seitdem die Hälfte der Mannschaft immer im Homeoffice war, noch mehr Absprachen mit allen Beteiligten. M. war froh über seinen freien Samstagmorgen, an dem er sich mal so richtig auf die Familie konzentrieren konnte, und so machte es ihm keinerlei Sorgen, als sein neun Jahre alter Sohn mit einem komplizierten und unfertigen Lego-Technik-Kranwagen vor ihm stand und erklärte, es fehle ein Teil. „Nicht irgendein Teil, Papa, ein gaaaanz wichtiges Teil, ohne das kann ich nicht weiterbauen.“

          M. äußerte ein gönnerhaftes „Dem Ingenieur ist bekanntlich nichts zu schwör“ und vertiefte sich sofort in die Lego-Anleitung. Während er das Papier drehte und wendete, rief seine Frau von unten: „Schatz, der Kaffee ist fertig, kannst du noch kurz Milch warm machen?“ Mit der Anleitung in der Hand stolperte er die Treppe nach unten, da piepste sein Handy.

          „Ist mir jetzt doch zu schwer“

          Es war die Mutter des Freundes seines Sohnes. Ob sein Sohn Lust habe, sich zu verabreden? M. versuchte, sich zu entscheiden, ob er erst die SMS beantworten, die Milch erwärmen oder doch noch zu Ende über den Spielzeugkran nachdenken sollte, da rutschte ihm die Milchtüte aus der Hand. Ein kleiner weißer See breitete sich über Küchenarbeitsplatte und Lego-Anleitung aus, sein Handy konnte er mit einem beherzten Griff noch schnell retten. „Möchtest du dich mit Martin treffen?“, rief er nach oben zu seinem Sohn, während er die Sauerei aufwischte. In der Lego-Anleitung pappten jetzt die nassen Seiten zusammen, na egal, ihm würde auch so etwas einfallen, wie man das fehlende Teil ersetzen konnte.

          Er war schon halb die Treppe wieder oben, da rief sein Sohn: „Papa, ich hab Hunger“, und seine Frau: „Hast du dir eigentlich schon die Zähne geputzt, wenn du dich gleich verabreden willst?“ M. schwirrte der Kopf, während er mit den Lego-Teilen hantierte und versehentlich den halben Kranausleger falsch herum montierte. „Blödsinniges Multitasking“, murmelte er vor sich hin und wandte sich dann unwirsch an den Neunjährigen: „Ist mir jetzt doch zu schwer, ich kann halt nicht alles gleichzeitig.“ – „Kein Problem, Papa“, antwortete sein Sohn vergnügt aus dem Badezimmer. „Hab das Teil grad gefunden, keine Ahnung, wie es in den Zahnputzbecher gekommen ist.“

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren einmal in der Woche über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschullebens.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kapazitätserhöhung in Person: Vanessa Op te Roodt im Labor in Ingelheim

          Immer mehr Corona-Tests : Deutschlands Labore sind am Limit

          Die Labore in Deutschland werten immer mehr Corona-Tests aus und verdienen gut daran. Doch nun schlagen Laborärzte Alarm: Noch mehr Untersuchungen seien unmöglich. Muss die Teststrategie geändert werden?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.