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Kolumne „Nine to Five“ : Applaus für die Lehrer!

  • -Aktualisiert am

Karin Bitter, Lehrerin an der Comenius Grundschule in Oranienburg, sitzt in ihrem leeren Klassenzimmer für eine Videokonferenz vor einem Laptop. Bild: dpa

Der Beifall für Rettungskräfte und medizinisches Personal ist aktuell mehr als verdient und lange nicht genug. Aber auch den Lehrern darf ruhig einmal kurz applaudiert werden.

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          Vormittags haben sie recht, nachmittags frei. Selbstverständlich im Beamtenstatus, bei größtmöglicher Absicherung und gutem Gehalt. Und dann all die Ferien! Der bestbezahlte Halbtagsjob der Welt mit maximaler Urlaubsausbeute. Jetzt zu Ostern etwa: zwei Wochen frei, einfach so. Diese Leer-, Pardon, Lehrkörper haben es echt gut. Und wer an Gymnasien unterrichtet, kann auch auf Anerkennung hoffen. Vor allem in der Corona-Krise, wenn Eltern parallel zum Homeoffice ihren latent unmotivierten Sprösslingen Infinitesimalrechnung, Phospholipase oder „Effi Briest“ im Homeschooling näherbringen müssen. Denn spätestens jetzt schwant auch dem akademischen Power-Pärchen, dass es vielleicht doch nicht an der Lehrkraft liegt, wenn Friedrich-Julius oder Wilhelmine-Augusta nicht liefern – und von einer nicht entdeckten Hochbegabung plötzlich keine Rede mehr ist.

          Einen nach wie vor schwereren Stand haben die Grundschullehrerinnen (wegen der eklatanten Unterrepräsentanz männlicher Exemplare drängt sich der weibliche Plural auf). Ihnen hängt oft noch das Etikett der lustigen Tante an, die den lieben Kleinen im Sitzkreis etwas auf der Gitarre vorspielt, Fensterdekorationen mit ihnen bastelt und ihnen ganz nebenbei ein bisschen Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt. Wer aber bereits in der Einzelbetreuung an dem Versuch scheitert, bockige Sechsjährige dazu zu bringen, das A in fünf verschiedenen Farben nachzuspuren und dann noch 20 Mal selbst unfallfrei auf einer Linie zu schreiben – der multipliziere diese Anstrengung mit 25, und das mindestens vier Schulstunden lang.

          Es hat gute Gründe, dass Lehrkräfte drei bis vier Jahre studieren sowie zwei Jahre Referendariat und zwei Staatsexamen hinter sich bringen. Für viele ist virtuelle Lehre in der Digitalwüste Deutschland dennoch Neuland. Nicht alle, aber die meisten sind trotzdem engagiert, motiviert und reißen sich gerade ein Bein aus, um Eltern mit Material zu versorgen und didaktische Tricks zu verraten. Der Beifall für Rettungskräfte und medizinisches Personal ist gerade mehr als verdient und lange nicht genug. Aber auch den Lehrern darf an dieser Stelle einmal kurz applaudiert werden.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren einmal in der Woche über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschullebens.

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