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Kolumne „Nine to five“ : Achtung, Körperfettnäpfchen!

Na, Frau Kollegin, neue Haarfarbe, neue Brille, neues Kleid? Bild: dpa

Warst du beim Friseur? Haben Sie eine neue Brille? Diese Fragen klingen unverfänglich, können im Kollegenkreis aber zu Irritationen führen. Es gibt allerdings eine Frage, die definitiv noch schlimmer ist!

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          Es ist eine Binse des Arbeitsalltags: Wer täglich in ein Büro geht, verbringt rechnerisch mehr Zeit mit den Kollegen als mit dem eigenen Partner. Im Umkehrschluss bedeutet diese Feststellung aber, dass Büromenschen die Chance haben, noch näher dran zu sein, wenn sich die Menschen um sie herum körperlich verändern, in diesem Falle: die Kollegen. Die Voraussetzung dafür ist aber, aufmerksam durchs Arbeitsleben zu gehen.

          Wem schon nicht auffällt, wenn die eigene Frau beim Friseur war, der wird auch der lieben Kollegin zwei Büros weiter keine Komplimente machen können, wenn sie sich mal ihre Haare hat ondulieren lassen. Doch auch aufmerksamen Menschen drohen dicke Fallstricke. „Hast du abgenommen?“ oder „Warst du beim Friseur?“ – in solchen Fragen kann nicht nur die Begeisterung über den neuen Auftritt mitschwingen. Im falschen Moment ausgesprochen, rufen sie beim Angesprochenen womöglich tiefgreifende Unsicherheit hervor. „Heißt das, ich war vorher zu dick?“ oder „Haben die Kollegen in der Kantine über meinen Pony gelästert?“, lauten dann die Gegenfragen im inneren Monolog.

          Bist du eigentlich schwanger?

          Kompliziert wird es auch, wenn der oder die Angesprochene zuletzt weder beim Friseur war noch auf der Waage einen rückläufigen Trend beobachten konnte. Dann liegt die Vermutung nahe, dass der Kollege einen vielleicht auch einfach nur verschaukeln wollte. Doch warum eigentlich?

          Noch schwieriger wird es, wenn die Veränderung allzu offensichtlich ist und der Kollege zusätzlich noch dem anderen Geschlecht zuzurechnen ist. Ein Lob der neuen Haarfarbe der Kollegin aus dem Mund eines Mannes kann deshalb wie ein zugegebenermaßen äußerst schwacher Flirtversuch daherkommen. Sich in Männergruppen oder Frauenzirkeln für die wochenlange und dadurch sichtbare Pein im Fitnessstudio oder zur neuen Brille zu beglückwünschen ist dagegen meistens unverfänglich und wohl auch ganz ohne Hintergedanken als Lob gemeint.

          Bei aller Gleichberechtigung gilt daher immer noch die Regel, dass Frauen und Männer in unterschiedlichen Körperwelten unterwegs sind. Lediglich bei einer körperlichen Veränderung sollten sowohl Männer als auch Frauen größte Vorsicht walten lassen: Kolleginnen auf eine mögliche Schwangerschaft anzusprechen kann im schlimmsten Falle in einer Situation enden, die für beide Seiten einfach nur noch äußerst unangenehm und schwer zu kitten ist.

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