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Kolumne „Nine to five“ : Göttliche Fügung

Bild: KNA

Herr D. will sich weg bewerben. Aber als ein Angebot von einem katholischen Arbeitgeber kommt, zögert er. Was, wenn Fragen nach seiner Bibelfestigkeit kommen? Die Kolumne „Nine to five“.

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          Herr D. hatte schon länger Knatsch im Team. Seine beiden engsten Kolleginnen hatten sich gegen ihn verbündet, die Atmosphäre war vergiftet. Da kam es ihm gerade recht, dass ihm die Stellenanzeige eines großen katholischen Arbeitgebers in die Hände fiel, die scheinbar komplett auf ihn zugeschnitten war. Aber Kirche, na ja, auf dem Papier war er Katholik, doch zuletzt hatte er zu Weihnachten 2019, noch vor Corona, einen Gottesdienst besucht. Den häufigsten Bezug hatte er noch über seine Kinder. Die hatte er – im Tausch gegen Plätze in seiner Wunsch-Kita – kurzerhand evangelisch taufen lassen, schließlich war seine Frau Protestantin.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Der örtliche Bischof als Chef, ob das passte? Aber vielleicht war es göttliche Fügung. „Und erlöse uns von den bösen Kolleginnen“, dachte er in einem Anflug von Ironie. Dann tippte er eine Bewerbung.

          Das Vorstellungsgespräch war zu seiner Überraschung wenig christlich geprägt. Dabei hatte er sich allerlei zurechtgelegt, die Taufsprüche seiner Kinder wiederholt und lokale Kirchenpolitik in den Zeitungsarchiven nachgelesen. Es lief – man konnte es nicht anders sagen – blendend. Gesucht war ein Digitalisierungsspezialist, da kannte er sich aus, zumal der Stand der Dinge im fraglichen Unternehmen sozusagen auf vorchristlichem Niveau war. Begeistert luden die Manager Herrn D. im Anschluss an das Gespräch zum Essen ein. „Und mögen Sie das Tischgebet sprechen?“, fragte der Personalchef. Herrn D. lief es kalt den Rücken herunter. Jetzt hatten sie ihn doch noch ertappt! Was war das noch, was seine Tochter in der Kita vor dem Essen immer aufsagte?

          Während seine Gehirnzellen noch ratterten, blubberten die Worte schon recht unkontrolliert aus seinem Mund. „Jeder isst, so viel er kann, nur nicht seinen Nebenmann, piep, piep, piep, guten Appetit.“ Für einen Moment herrschte Schweigen. Dann brach die Runde in schallendes Gelächter aus, der Personalchef schlug ihm auf die Schulter und schüttelte unter Tränen seine Hand. „Lang nicht so gelacht, Humor können wir hier gebrauchen! Sie sind eingestellt!“

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