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Kolumne „Nine to five“ : Um Ausreden nie verlegen

  • -Aktualisiert am

Bald mehr Impfstoff? BioNTech prüft aktuell, ob zusätzliche Lieferungen möglich sein. Bild: dpa

Beim Corona-Impfen läuft es manchmal wie einst mit den unerledigten Hausaufgaben: Impfpass vergessen, Patientenbogen verlegt, der Hund hat's verschleppt oder die Katze gefressen. Die Kolumne „Nine to five“.

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          Die Hölle, das ist die Hausarztpraxis am Aachener Stadtrand. Mittwochs wird dort geimpft und geboostert, was an Impfstoff verfügbar ist. Maximal zwei Leute dürfen eintreten und vor der Anmeldetheke warten. Bis zwei zählen, das ist nicht jedem gegeben. Also alle Falschzähler zurück in den Flur und beobachten, wann Nachrückzeit ist. „Bitte noch das ausgefüllte Blatt.“ – „Hä? Was für ein Blatt?“ „Wir brauchen die unterschriebene Patienteninformation, die wir Ihnen beim letzten Termin mitgegeben haben.“ – „Ach, das meinen Sie. Habe ich nicht dabei. Warten Sie mal, die liegt irgendwo zu Hause.“ – Neues Blatt wird rübergereicht. Auch noch ein Kuli, der letzte aus dem desinfizierten Vorrat, die Kulis haben Schwund.

          Die nächste Patientin tritt auf und überreicht den Anamnesebogen, vorbildlich ausgefüllt. Allein, es fehlt der Impfpass. Stattdessen gibt es eine patzige Antwort: „Der steckt in meiner anderen Jacke. Machen Sie mal schneller, ich warte seit zehn Minuten!“ Eine Ausrede nach der anderen drosselt das Tempo in der gut durchorganisierten Praxis: Habe ich nie bekommen, habe ich vergessen, ich weiß nicht mehr, wo ich den hingelegt habe, ich will nur Biontech, also Moderna nehme ich auf gar keinen Fall! Andererseits ist es eine Art rhetorische Verjüngungskur – Ausreden wie zu Schulzeiten mit verschlampten, präziser: nicht erledigten Hausaufgaben, die der Hund verspeist, die Katze verschleppt hat.

          Ein höflicher älterer Herr hat seine Brille vergessen und kommt mit dem Ausfüllen des Bogens nicht zurecht, geduldig hilft die medizinische Fachangestellte. Andere lächeln milde. Was wiederum einen Hünen verärgert, der an diesem kalten Wintermorgen hereinschneit und trompetet: „Ich habe mich auf Arbeit übergeben und brauche eine Krankschreibung. So eine Scheiße!“ Zum Fluchen reicht die Restenergie allemal. Magen-Darm . . . o je, die anderen lassen den schimpfenden Flegel vor. Schon aus Selbstschutz. Herrlich ist es, im Homeoffice zu weilen. So ganz ohne Kundenkontakt.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

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