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Kolumne „Nine to five“ : Was bringt das Home Office wirklich?

Zu Hause arbeitet es sich doch am schönsten. Oder? Bild: Archiv

Mit dem Arbeiten von zu Hause aus hat Axel Pendelzeit eingespart. Aber warum bloß ist alles seitdem viel stressiger und komplizierter geworden?

          1 Min.

          Axel macht neuerdings zwei Tage Home Office und einen überaus angestrengten Eindruck. Die Zeit, die er mit der Pendelei von A nach B ins Büro eingespart hat, verplempert er jetzt mit Reden. In puncto Rechtfertigungsrhetorik ist Axel inzwischen routiniert. Denn die lieben Kollegen hatten abenteuerliche Vorstellungen, was Axel an diesen Arbeitstagen so treibt.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Da laufen seltsamste Kopfkinofilmchen ab, die bei Bildern von lauschigen Drittfrühstücken im Schlumellook am Kaffeetisch beginnen, sich über mittägliches Golfen bei günstiger Platzmiete bis hin zu nachmittäglichen Biergarten- und Kaffeehausbesuchen erstrecken, mit denen der verwöhnte Home-Office-Kerl sanft in den Feierabend segelt, der strenggenommen gleich nach dem Morgenkaffee begonnen hat. Nachmittags erholt er sich dann quasi vom Nichtstun.

          Axel ist sensibel und hat ebenfalls sein Kopfkino eingeschaltet und in einer Art vorauseilendem Gehorsam alle Home-Office-Klischees durchgespielt. So rödelt und rödelt und rödelt er, nicht gerade rund um die Uhr, aber spätestens um 8 Uhr hat er seine erste Alibi-Mail verschickt als Signal, dass er im Dienst ist. Mittags löffelt er über der Tastatur ein Dosensüppchen. Nur in ganz seltenen Fällen wagt er es, die Reste vom Wochenende schnell zu erwärmen, allerdings nicht ohne den Mail-Eingang im Auge zu behalten. Pünktlich zum Feierabend den Laptop runterfahren, diese Zeiten sind in den eigenen vier Wänden vorbei.

          Zur Waschmaschine? Axel traut sich nicht!

          Anfangs hat er sich mit dem Smartphone nicht einmal zur Waschmaschine in den Keller gewagt, aus Angst, dort keinen Empfang zu haben. Bleich bringt er seinen ersten Home-Office-Sommer hinter sich.

          Seine kritischen Kollegen haben Axels armselige Performance längst geblickt und ziehen den braven Leistungsträger mit seiner 120-Prozent-Haltung auf, vor allem mit einer anrüchigen Homestory: Axel nahm sein Smartphone dorthin mit, wohin sich selbst der Kaiser zu Fuß aufmacht. Trotzdem nahm er ein Gespräch mit B. an, dringenden Geschäften nachgehend, zunächst alles totschweigend. Als der Ton flüssiger wurde, deutete B. sofort: Arbeitsplatz stilles Örtchen. Peinlich, aber letztlich war die Klo-Story erleichternd für Axels Image: Mensch, der Kerl produziert richtig was – immer und überall.

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