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Kolumne „Nine to five“ : Master nach Feierabend

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Gar nicht so leicht, so ein Uni-Abschluss, wenn man schon fest im Arbeitsleben steckt! Bild: dpa

Einen akademischen Abschluss neben dem Beruf machen – kann das funktionieren? Ja! Allerdings nur mit viel Ehrgeiz und kreativen Aufschiebe-Techniken.

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          Wer schon im Berufsleben steht, aber gleichzeitig einen akademischen Abschluss erlangen will, ist entweder ehrgeizig oder verrückt – wobei sich hier durchaus auch Schnittmengen ergeben können.

          Am Anfang des Projekts stand noch grenzenloser Enthusiasmus. Bald werden sie alle Augen machen. Auch die, die bisher liebevoll über den Bachelor von der kleinen Hochschule lächelten. Dieser Master of Arts in Sozialwissenschaft erledigt sich von selbst, danach wird gleich noch promoviert! Tschüss, Minderwertigkeitskomplex, auf zu höheren akademischen Weihen! Und: Auf Wiedersehen, du triviale Arbeitswelt! Die Möglichkeiten insbesondere der Feldforschung erscheinen zunächst unendlich. Wie einst Alexander von Humboldt in Südamerika obliegt es nun der Erbin Max Webers, unbekanntes Terrain der Soziologie zu entdecken.

          Asynchron zur subjektiv wahrgenommenen Relevanz des Forschungsgegenstandes verzeichnet die Forschung jedoch schnell nur ein sehr langsames Wachstum. Denn die Empirie ist in der qualitativen Sozialforschung sehr von der Gunst des Untersuchungsobjektes, sprich vom Menschen, abhängig. Zudem sind die Kenntnisse in wissenschaftlichem Arbeiten nach der jahrelangen Hochschulabstinenz auf ein stark ausbaufähiges Niveau gesunken. In der Folge nähert sich die anfängliche Begeisterung diametral zum Ansteigen der Literaturberge auf dem Schreibtisch dem Nullpunkt.

          Als der minimale Punkt M = Motivation und der maximale Punkt P = Prokrastination überschritten sind, steigt die Arbeitskurve dann glücklicherweise doch noch. Fußnote: Falls die mathematische Metapher hier eine Fehlerquote enthält, bittet die Kandidatin um Nachsicht. Wäre bereits zu Schulzeiten eine Begabung in Mathematik oder Naturwissenschaften vorhanden gewesen, hätte man etwas Vernünftiges studiert.

          Amerika statt Indien?

          Nun fühlt man sich wie weiland Christopher Kolumbus. Ob man am Ende statt Indien vielleicht doch Amerika entdeckt, spielt eine eher untergeordnete Rolle, scheint bei vielen akademischen Abhandlungen doch sowieso eher der Weg das Ziel zu sein.

          Das Fazit: Nie wieder – vielleicht. Dann allerdings muss sich Max Weber warm anziehen. Oder im Grabe umdrehen. Denn ob hier nur die Pseudowissenschaft am Werk war, müssen nun echte Wissenschaftler entscheiden. Und da gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch viel zu disputieren.

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