https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/nine-to-five/dienstreisen-mit-der-bahn-sitzplatzreservierer-unter-strom-18045125.html

Kolumne „Nine to five“ : Platz da, hier sitze ich!

Bild: dpa

Auf Dienstreisen begegnet einem zuweilen eine kleine, aggressive Mitfahrer-Klientel. Konkret: Sitzplatzreservierer unter Strom. Die Büro-Kolumne „Nine to five“.

          1 Min.

          Nein, das ist kein Bahn-Bashing, nur ein bisschen Schelte einer häufig Dienstreisenden für eine kleine, aggressive Klientel ICE-Mitfahrender. Konkret, Sitzplatzreservierer unter Strom. Im Großraumwagen gibt es reichlich freie Plätze, nur an wenigen Sitzen signalisiert die Leuchtzeile, dass hier jemand in X oder Y einsteigen wird. Ansonsten herrscht freie Platzwahl. Das kümmert den Mann nicht, der im Stechschritt durch den Gang eilt, sich vor der jungen Frau aufbaut, die in Exceltabellen versunken ist: Den Fensterplatz habe ich reserviert!

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Auf der Fahrt nach Frankfurt sind viele Fensterplätze frei mit Blick auf die Weiten des Westerwalds. Aber der Mann erpoltert sich sein Recht mit einem Beharrungsvermögen, wie sonst nur Urbayern ahnungslose Touristen vom Stammtisch verjagen. Verschreckt entstöpselt sich die Frau, klemmt den Laptop unter den Arm, jongliert mit dem Kaffeebecher und findet einen freien Vierertisch. Der Mann plumpst, trunken vom Erobererstolz, auf den von ihm reservierten Platz, so als wollte er den Mitreisenden trotzig wie ein renitenter Dreijähriger markieren: mein Platz, mein Territorium, mein Recht, meine Wagenburg! Dafür habe ich bezahlt. Der steht mir zu! Der Firnis der Zivilisation ist dünn.

          Dabei geht es keineswegs um einen überfüllten Zug und Stehplatz-Alternativen vor faulig riechenden Toiletten. Als sich alles wieder zurechtgeruckelt hat und die voyeuristischen Zuschauer, dankbar für ein wenig Abwechslung und das absurde Zwischenspiel, wieder auf ihren Handys daddeln, erhält der Platzwart einen Anruf. Seine Polterstimme weicht servilem Gesäusel: „Ja Chef“, „kommt nicht wieder vor, Chef“, „ich kümmere mich darum, Chef“. Aha. Also eine ganz kleine Nummer im Büroleben. Klassiker, solche Typen kennen wir alle. Die Mithörenden nicken sich zu.

          In der Kolumne Nine to Five schreiben wechselnde Autoren über Kuriositäten aus dem Alltag in Büro und Hochschule.

          Weitere Themen

          Bühne statt Bank

          Aussteigen aus der Karriere : Bühne statt Bank

          Seinen Spitzenposten in einer renommierten Privatbank gibt Matthias Butzlaff nach mehr als zwanzig Jahren für einen großen Traum auf: Er will lieber Jazzmusiker sein.

          Topmeldungen

          Ihm ist bei der Besetzung der Ministerien ein Coup gelungen: der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (Mitte), am Montagabend in Neumünster mit dem designierten Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (links)

          Schleswig-Holstein : CDU und Grüne stimmen Koalitionsvertrag zu

          Auf Parteitagen in Neumünster haben CDU und Grüne dem gemeinsamen Koalitionsvertrag zugestimmt. Bei den Grünen war der Redebedarf groß, bei der CDU gab es nur eine kurze Aussprache – und einen Coup bei den Ministerposten.
          Ort für schöne Ideen: Schloss Elmau

          G-7-Gipfel : Das 600-Milliarden-Luftschloss

          Der Westen will Tatkraft ausstrahlen. Dafür haben sie in Elmau ein 600-Milliarden-Dollar-Programm angekündigt, mit dem sie Chinas Einfluss auf die Welt in Schach halten wollen. Doch viele Details sind noch unklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.