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Benjamin Fischer

Kolumne „Nine to five“. : Lernen von den Profis

Auch an der Seitenlinie: Thomas Tuchel ist bekannt für seine Akribie. Bild: AP

Wer als Leistungssportler seinen Körper für das angestrebte Spitzenniveau präparieren will, sollte alle Register ziehen. Soweit, so banal. Doch lässt sich daraus auch als Bürotäter etwas lernen?

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          „Pünktlich zum Meeting zu erscheinen hat nichts mit Disziplin zu tun, sondern ist Selbstverständlichkeit.“ So sieht es zumindest Franz Tost, Chef des Red-Bull-Nachwuchsrennstalls in der Formel 1. Und da der Österreicher mit deutlichen Worten selten hinter dem Berg hält, führt er im hauseigenen Hochglanz-Magazin des Dosen-Imperiums gleich weiter aus: Wer nicht täglich angemessen trainiere und sich an die strengen Ernährungspläne halte, der werde von der Maschinerie Formel 1 gefressen. Lässt sich aus derlei Weisheiten auch als gemeiner Bürotäter etwas lernen?

          Da wäre natürlich die an sich banale Erkenntnis: Profis wie die Rennfahrer in der Königsklasse sind zumeist absolut besessen. Und Witzeleien über die vermeintlich furchtbar rigiden Ernährungsvorgaben des Pariser Fußballtrainers Thomas Tuchel verkennen den Kern des Profitums. Wer seinen Körper für das angestrebte Spitzenniveau präparieren will, sollte möglichst alle Register ziehen. Letztlich geht es eben um etwas ganz Elementares: die Einstellung zum eigenen täglichen Tun – ganz gleich ob nun im Cockpit, auf dem Fußballplatz oder am Schreibtisch.

          Grundtugenden heißen nicht umsonst so

          Nun stellt ein Arbeitgeber eher selten einen Stab aus Fachleuten bereit, um seine Belegschaft mit Rat, Tat und Essen permanent zur Seite zu stehen. Einmal die Woche ein Korb Obst fürs Großraumbüro taugt manchen schon als Köder auf Stellenbörsen, und im Automaten sind dann doch die Chips wieder als Erstes leer. Was bei Tost und Tuchel alle Alarmsignale auslösen würde, hat in den meisten Unternehmen bloß eine Nachbestellung zur Folge. Das ist auch völlig in Ordnung – obgleich es jedem geraten sei, sich schon aus rein egoistischen Gründen Gedanken über Ernährung zu machen. Doch ein gestählter Körper gehört (zum Glück!) selten zum Anforderungsprofil im Berufsalltag. Das Beherzigen von Grundtugenden wie ein gewisses Maß an Disziplin allerdings schon.

          Und wenn man es mit der Pünktlichkeit nicht so hat, muss man ja nicht gleich zum Energy-Drink greifen. Ein frühzeitiger Anruf bei den Wartenden taugt schon mal als Anfang. Tätigt man solche Anrufe allerdings im Wochentakt, fehlt es ohnehin an ganz anderen Dingen als der richtigen Koffein- oder Taurin-Dosis.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschulalltags.

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