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Von respektlos bis hämisch : „Icke liebe Sushi“

Das große Gewusel am Frankfurter Hauptbahnhof Bild: dpa

„Du kein Deutsch, auf geht’s!“: Drei Begegnungen, die nicht nur von mangelndem Respekt und Höflichkeit zeugen. Die Kolumne „Nine to five“.

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          Am Taxistand in Essen. „Der versteht dich nicht, der kann kein Deutsch“, klärt der Messebesucher, in teures Tuch gewandet, seinen Kollegen auf. Warum also den Taxifahrer grüßen? Bloße Zeitverschwendung. Kapiert der nicht. Tür aufreißen, knappe Geste, dass sich der Fahrer um die Koffer zu kümmern hat, hysterisches An-sich-Pressen der Laptop-Tasche, als der Mann diensteifrig auch diese im Kofferraum verstauen will. Wenn Blicke töten könnten, wäre der Taxifahrer spätestens jetzt umgefallen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          „Blöder Paki“, raunzt der Gast und noch etwas, was nach hinterstem Hindukusch und „Du kein Deutsch, auf geht’s!“, klingt. „Fahr los, wir haben es eilig“, wird der Mann geduzt, der der Vater, eher der Großvater des Schnösels sein könnte. Auf dem Armaturenbrett des stillen Fahrers liegen eine Lesebrille, die „Times“ und das Buch von Stanislas Dehaene „Denken. Wie das Gehirn Bewusstsein schafft“. Auf Deutsch übrigens.

          Von respektlos bis hämisch

          Zweiter Schauplatz ist der Frankfurter Hauptbahnhof: Der Mann ist Ausländer, kommt von der Aufsichtsratssitzung eines Start-ups und hat die vernuschelte Durchsage im Gewusel nicht verstanden, ist auf die nicht aktualisierte Anzeige hereingefallen und in den ICE Richtung Köln gehechtet, obwohl er nach München will. Schwitzend steht er im Gang und muss sich hinter dem Flughafen von einem jungen Bahnmitarbeiter hämisch belehren lassen: „Nonstop Kohloohn, nonstop Koloohn, Zug fährt bis Kohloohn, no Mjunick, no Stop!“ Der Orientierungslose sackt in sich zusammen. Man sieht ihm an, dass seine Irrfahrt sein Zeitbudget sprengen wird.

          Der dritte Schauplatz liegt in Berlin, Potsdamer Platz: Zwei ältere Geschäftsreisende aus Asien zeigen einem etwa Vierzigjährigen umständlich ein Foto vom Bundeswirtschaftsministerium. Sie sind unsicher, ob sie an der richtigen Haltestelle stehen. „Geht weiter, Bus hier nix gut, da drüben, hier nix gut..!“ Der Mann duzt die Männer, die, des Deutschen nicht mächtig, spüren, wie respektlos ihr Wegweiser ist. Anders als der Busfahrer, der mittlerweile vorgefahren ist, die beiden freundlich heranwinkt und mit viel engagiertem „Icke“ respektvoll die richtige Route erläutert. Zum Smalltalk reicht es nicht, aber er bekennt mehrfach zusammenhanglos: „Icke liebe Sushi. Sie auch?“ Alle lachen. Die Völker verstehen sich.

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