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Kolumne „Nine to Five“ : Von schlüpfrigen Schleimern

Langweiliges Praktikum? In diesem Fall wirkte eine kesse Einschleim-Aktion wahre Wunder. Bild: dpa

Praktikumserlebnisse sind so eine Sache für sich. Oft heißt es: Großer Unternehmensname, kleine Aufgaben. Das kann ganz schön öde sein. Es sei denn, man wehrt sich mit kessen Aktionen.

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          Schlüpfriger schleimen war nie. Das launige Grillabendgeplänkel kreist um Praktikumserlebnisse. Auch die Nachbarstochter steuert eine Anekdote bei. Sie, eine aparte Stille, scheut sich eigentlich davor, in großer Runde das Wort zu ergreifen, aber der aktuelle Ärger musste raus: Drei Praktikanten, darunter auch sie, hatten einen begehrten Platz bei einer Münchener Agentur ergattert: großer Name, kleine Aufgaben, die Kernarbeit bestand darin, Pressemappen zusammenzustellen, deren Inhalte andere ersonnen haben.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nun gut. Das aber war einer kessen Mitpraktikantin nicht genug. Die arbeitete mit vollem Körpereinsatz, ging auf die Toilette, entledigte sich des BHs, zuppelte das ohnehin schon knappe Shirt aufreizend zurecht und marschierte ins Büro des Abteilungsleiters. Die Stimme der braven Nachbarstochter bebt, als sie von dem freizügigen Feldzug berichtet und vom schalen Happy End: Das selbstbewusste Mädel durfte fortan eigene Textvorschläge machen. Mit dem BH war sie auch den öden Mappendienst losgeworden. Was wiederum fast sympathisch war: Die trickreiche Busenfreundin vertuschte ihre würdelose Aktion nicht. Wohlig-empört goutiert die Runde die schlüpfrige Aufstiegsgeschichte.

          Eine Debatte über antifeministisch agierende Frauen entbrennt, die Wortwahl wird vulgärer. Dann stoppt Lehrer H. mit einem Gegenbeispiel das Frauenbashing: Auf der Geschlechterklaviatur spielen und sich mit fragwürdigen Methoden Vorteile verschaffen, das können Männer auch. So wie sein smarter Ex-Kommilitone im Mittelhochdeutschseminar, der die Tutorin heftig anflirtete, um die Seichtheit seines Minnesang-Referats zu übertünchen.

          Plumpe Komplimente

          „Der sah einfach richtig gut aus und war sich dessen voll bewusst. Ekelhaft, wie der sich vor der Kursleiterin in den Hüften wiegte, aufreizend an ihr vorbei tänzelte und plumpe Komplimente absonderte.“ Mit seiner Gockelei heimste er für seine zusammengegoogelten Liebesliedthesen eine respektable Note ein. Was die Blaustrumpffraktion des Seminars unendlich frustrierte. Die hatte sich in die Bibliothek verzogen, um mit originellen Thesen über Oswald von Wolkenstein aufzuwarten.

          Am Ende zählt das Ergebnis. Und das sah im Hauptseminar bei der strengen Professorin zum Glück ganz anders aus. Die konzentrierte sich auf Inhalte, nicht auf Hüftschwünge. Diesmal war der Google-Gockel chancenlos, referiert der Lehrer den Sieg der Gerechtigkeit. Die Grillrunde gießt Versöhnungssoße über den Alltagssexismus und verständigt sich auf die Binsenweisheit: Anstand ist keine Frage des Geschlechts.

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